2013: Licht für Schule

Licht für die Schule – Ladestation für das Dorf


Wie man in Afrika eine Solaranlage baut


In dem Dorf Gourgou/Tenkodogo (Burkina-Faso) wurde 2013 eine Solaranlage auf die Schule gebaut. Sie gibt Licht für vier Klassenzimmer und versorgt eine Ladestation für Handys und Akkus. Die Stiftung „Gingko Foundation“  finanzierte diese Anlage. Die folgende Fotodokumentation zeigt, warum und wie diese Anlage von der Firma MicroSow aus Ouagadougou gebaut wurde.

Die Schule von Gourgou besteht aus zwei Gebäuden mit insgesamt 6 Klassenzimmern. Diese Klassenzimmer sind jeden Tag sehr voll. Gegenüber diesen Schülern sitzt nochmal die gleiche Anzahl.



Um die Überfüllung zu mindern, findet der Unterricht schon mal auf dem Schulhof statt.



Essen wird für die Kinder im Freien gekocht.

Diszipliniert wird bei der Essenausgabe angestanden. Meist gibt es Reis mit Bohnen oder Bohnen mit Reis.

In den sechs Klassenzimmern werden 470 Kinder ganztägig unterrichtet. Im Dorf Gourgou gibt es aber mehr Kinder als die Klassenräume fassen können. Um diesen Kindern eine Chance zu geben, soll auch am Abend Unterricht angeboten werden, dazu wird allerdings Licht genötigt. Das Dorf Gourgou hat keine Stromversorgung. Deshalb erfolgt die Versorgung mit Elektrizität für verschiedene Kleingeräte der Dorfbevölkerung bisher durch billige, quecksilberhaltige Einwegbatterien, die überwiegend aus China kommen. Eine Familie mit 20 bis 25 Personen verbraucht für ihre 5 – 6 Taschenlampen, 3 – 4 große LED-Lampen und 2 – 4 Radios jährlich zwischen 900 und 1000 Einwegbatterien. Außerdem müssen die 3 bis 4 Handys der Familie immer in der 7 km entfernten Stadt Tenkodogo aufgeladen werden. Ähnlich ist die Situation in den 200 weiteren Familien des Dorfes.

Der jährliche Einwegbatterie-Bedarf einer Familie.


Die Solaranlage auf der Schule soll für 4 Klassenzimmer Licht geben, damit diese abends und nachts genutzt werden können. Über die Solaranlage wird zusätzlich eine Ladestation versorgt, in der die Handys geladen werden können. Den Familien werden wiederaufladbare Batterien (Akkus) zur Miete oder zum Kauf für ihre Kleingeräte angeboten, die an der Ladestation ebenfalls aufgeladen werden. (s. hierzu "Reis statt Giftmüll")


Der Bau der Solaranlage beginnt mit Abstimmung über den Zeitplan, damit der Unterricht möglichst nicht gestört wird. Drei Tage sind für die Installation der Anlage geplant.

Issa Naré (links) für Ausbildung/wirtschaftliche Entwicklung in Tenkodogo zuständig; Souleyname Sow (mitte) Firmeninhaber von MicroSow und ein weiterer Sow (rechts) Leiter der Solarteure.


Danach geht es los. Die halbvorgefertigten Modulhalterungen werden zusammengeschweißt. Strom liefert ein Benzingenerator.



Ein anderer Teil der Solarteure montiert die hocheffizienten LED-Leuchtmittel in eine Kalebasse als Lampenschirm. Eine LED-Lampe verbraucht 3,8 W bei 350 Lumen Lichtstrom. 12 Lampen werden pro Klassenzimmer aufgehängt.



Auf die beiden Schulgebäude sind jeweils 3 Solarmodule von 20 kg fünf Meter hoch zustemmen. Die Leistung eines Moduls ist 24 V /240 Watt. Die beiden Anlagen arbeiten getrennt, sodass bei dem Ausfall von einer, die andere noch Strom liefert.

Die Module werden in den auf dem Dach montierten Modulhalter geschoben.

Der Modulhalter ist mit dem Eisenträger des Blechdaches verschraubt. Die Mutter der Schraube wird gegen Diebstahl verschweißt. Alle Module sind im Modulhalter mit Winkeleisen gesichert.





Ein Winkeleisen blieb bis zum Schluss demontiert, damit die Module in die Halterung geschoben werden konnten. Danach wird dieses Winkeleisen ebenfalls unter Wasserkühlung angeschweißt. Der Diebstahlschutz ist jetzt perfekt.



Angeschlossen werden der Solarregler, die Batterien und ein Wechselrichter. Provisorisch ist schon mal eine kleine Ladestation für Handys und wiederaufladbare Batterien (Akkus) eingerichtet worden. Wenn der Gesamtbedarf der Familien feststeht, wird eine größere Ladestation in einem eigenen Ladekiosk eingerichtet.

Das Licht brennt und die Schulkinder werden ausgeleuchtet. Es ist ein helles und warmes Licht. In Afrika liebt man eigentlich kaltweißes Licht, aber das kann schädlich für die Augen sein.



Zum Schluss muss noch die lange Leiter aus Holz gebaut werden. Der „Reinigungsdienst“ testet sie und wischt den frischen Staub von den Modulen.





Mit Reden und Musik wird die Solaranlage feierlich von der Bevölkerung eingeweiht.

Anhang: Technische Daten


Systemaufbau in Gourgou pro Schulgebäude mit 24 V LED-Lampen (einschl. Ladestation)










5/2013

Arwed Milz (Autor) vom „Lernen-Helfen-Leben e.V. hat die Stiftung „Gingko Foundation“ bei der Planung und Durchführung des Baus der Solaranlage beraten. Er war beim Bau selber vor Ort und hat mit angefasst.

Bei der Arbeit und Recherche vor Ort stellte sich heraus, dass der große Verbrauch von Einwegbatterien und ihre Entsorgung in die Umwelt ein großes Problem darstellt. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen und Informationen ist das Anschlussprojekt „Reis statt Giftmüll“ entstanden.

arwed.milz(at)gmx.de