Projektberichte Tschad bis 2009


Radio Benoye geht auf Sendung


Unsere Partnerorganisation im Tschad, JARABE, hat mit internationaler Unterstützung ein Lokalradio in Benoye errichten können. Hier sehen wir die Sendestation...
... und auf dem Gelände sind die gepflanzten Bäume auch schon recht hoch...

Ein aktuelles Photos von unserer Partnerorganisation JARABE (August 2009). Mitten im Ort wurde eine Radiostation errichtet und die gepflanzten Bäume sind auch schon recht hoch...

April 2009

Neues aus dem Tschad


Der Tschad ist in diesem Frühjahr von kriegerischen Rebellenaufständen verschont geblieben. Soeben endet das Mandat der 3.300 Soldaten umfassenden EU-Militärmission im östlichen Grenzgebiet zum Sudan. In den Medien war davon wenig zu hören.

Über Pax-Christi haben wir nun eine Einschätzung von kirchlichen Stellen im Tschad zu dieser Mission erhalten. Die Kritik lautet, dass die Auswirkungen der Mission vor Ort eher unbedeutend gewesen seien. Das lag zum einen an der Begrenzung des Mandats, zum anderen an der Größe des Raums, so dass die Soldaten in der Regel zu spät eintrafen, wenn es notwendig gewesen wäre. Die Arbeit der Hilfswerke war ebenso behindert wie vor der Anwesenheit der Truppen. So ist abzuwarten, ob die jetzt unter dem Kommando der UNO fortgeführte, auf 5.500 Man erhöhte Mission bessere Ergebnisse zeitigen wird.


Kochen ohne Holzkohle


Im Januar hat die tschadische Regierung von einem auf den anderen Tag verfügt, dass ab sofort die Benutzung von Holzkohle im Haushalt strengstens verboten sei. Dieses Verbot wurde auch sogleich mit aller Härte durchgesetzt.

Der Hintergrund dieses neuen Gesetzes ist die Sorge um die stark geschwundenen Holzvorräte und Wälder des Landes. Diese Sorge ist absolut berechtigt, nur das Vorgehen der tschadischen Regierung ist ebenso absolut untragbar. Es gab keine vorbereitenden Aktionen, keine Vorwarnung. In den größeren Siedlungen stehen die Menschen vor fast unlösbaren Problemen, wie sie dann ihr Essen zubereiten sollen. Alles was eben brennbar ist, wird jetzt genutzt, und seien es alte Plastikschlappen.

Man könnte hoffen, dass nun die Stunde für die Einführung von Solarkochern gekommen sei. Aber selbst wenn umgehend Solarkocher beschafft würden, kaum jemand könnte das Geld für den Kauf aufbringen. Und ein funktionierendes Kreditsystem gibt es nicht.


Besuch bei JARABE


Das Ehepaar Vogelsberger aus Paris ist Ende März von einer achtwöchigen Projektreise in den Tschad zurückgekehrt. Dabei haben sie A. Diop in dessen landwirtschaftlicher Hochschule in N’Djamena und auch JARABE einen mehrtägigen Besuch abgestattet. Hier ist ein Auszug aus ihrem Bericht, den sie uns von diesem Besuch beim LYCAM = Lycée de l’Amitié geschickt haben.


Die Schule in Moundou ist noch im Aufbau auf einem großen Gelände. Drei Gebäude mit vier Klassenzimmern und ein kleineres Gebäude mit dem Lehrerzimmer, dem Schulsekretariat und einem Bibliothekssaal sind schon in Betrieb. Ein viertes Gebäude ist noch im Aufbau.

Die gesamte Anordnung der Gebäude macht einen guten Eindruck und läßt noch viel freie Fläche für Sport und andere Möglichkeiten. Ein Teil des Gymnasiums ist noch in alten Räumlichkeiten in zweihundert Metern Entfernung.


Das LYCAM hat 39 Lehrer, 611 Schüler von der 6. Klasse bis zum „Abitur“ (262 Mädchen und 349 Jungen).


Besonderheiten des ''LYCAM'': Informationen über H.I.V. – Schüler-Komitee und Organisationskomitee für Sport- und Kultur- Veranstaltungen. Jede Klasse hat einen Klassenlehrer, dazu 2 Delegierte, einen Jungen und ein Mädchen. Für jedes Fach gibt es bei den Lehrern einen Fachobmann.

Ein Briefkasten, den die Schüler für Ihre Bitte und Anregungen nutzen können, findet regen Zuspruch.

Das Schuljahr fängt am 15. September an, zwei Wochen früher als die anderen Schulen.

''Qualität ist unser Kredo'' sagt Milisor

Milisor mit Absolventinnen des College im Frühjahr 2009. Alle Mädchen sind Waisenkinder. Ihnen wurde der Schulbesuch durch die Unterstützung von LHL in Deutschland ermöglicht.

Ergebnisse beim Abitur. Die Erfolgsrate von 86% im ersten Jahr wurde beim zweiten Abitur nicht ganz erreicht (nur 78%). In diesem Schuljahr gibt es 157 Kandidaten.


Ein neues Gesetz verlangt, dass die Schulen sowohl ein Collège als auch ein Lycée haben müssen. Milisor befürchtet, dass es vielleicht für die Schule in Benoye, die nur aus einem Collège besteht, Schwierigkeit geben wird.


Besuch der Klassen. Wir haben alle Klassen besucht und von der Organisation, der Arbeitsatmosphäre, der Ordnung und Sauberkeit einen sehr guten Eindruck gewonnen. Das Lehrerkollegium machte auf uns einen sehr motivierten Eindruck.


Unterhaltung mit den Schülern:

Sie danken L.H.L. für die Hilfe. Ihre Anregungen und anfragen waren:

  • Bibliothekssaal wurde 9 mal verlangt

  • Kantine 2 mal

  • Trinkwasserversorgung 3 mal

  • Einschluß des Schulgeländes mit einer Mauer 3 mal

  • Elektrizität für Arbeiten am Abend 5 mal

  • Labormaterial und ein Labor 4 mal

  • Bücher 11 mal

  • Computer 7 mal

  • Sportmaterial und Sportplatz 8 mal

  • Ventilatoren in den Klassenräumen 2 mal

  • Wände in den Klassenräumen verputzen 2 mal


Milisor hatte noch weitere Anliegen

  • Möglichkeit für Photokopieren

  • Finanzielle Hilfe für jene Schüler, die im Schuljahr von einer plötzlichen dramatischen Veränderung betroffen sind (z.B. Tod der Eltern)

  • Wie lässt sich das Budget für das Schuljahr ausbalancieren, so dass die Lehrer regelmäßig bezahlt werden?


Wir waren sehr beeindruckt von diesem Besuch in ''LYCAM'' und möchten ''LHL'' und auch ''Jarabe'' unsere Bewunderung ausdrücken für diese gründliche Arbeit.(Rundbrief LHL April 2009)

Dieses Gebäude findet sich in Massede, einem abgelegenen Dorf im Südwesten des Tschad. Das Besondere: es waren die Mütter der Schulkinder, die den Plan zu diesem Gebäude fassten und absolut ohne Hilfe der Männer im Dorf ausführten. Sie formten zunächst die Ziegel, dann wurden diese gebrannt und zuletzt von den Frauen vermauert.Und wie's dann weiterging, lesen wir hier:

November 2008

Jarabe macht Fortschritte

Kaum war M. Kourkaou nach Benoye zurückgekehrt, als er uns telefonisch eine freudige Mitteilung machte. Die deutsche Botschaft in N’Djamena hatte einen Förderantrag von JARABE genehmigt. Die Botschaft war gebeten worden, die Ausstattung der Schule in Massede (s. frühere Rundbriefe) mit Fenstern und Türen zu finanzieren, ebenso die Ausstattung mit Tafeln und Mobiliar. Insgesamt hat die Botschaft einen Betrag von etwa EUR 5.700 bewilligt.

M. Kourkaou hat berichtet, dass man in den Weihnachtsferien die Arbeiten durchführen werde, d.h. in der Mitte der trockenen Jahreszeit. Wir freuen uns mit den Müttern, deren Traum nach einer soliden Schule für ihre Kinder sich nun endlich erfüllt. Der Neubau der Schule und seine Ausstattung ermöglichen aber auch eine vielfältige Bildungsarbeit für Erwachsene. Damit hat JARABE ein weiteres CENTRE CULTUREL in einem sehr abgelegenen Teil der Region.

Während seines Aufenthaltes bei uns hatten wir die Gelegenheit, uns intensiv auszutauschen über unsere weitere Kooperation und über die aktuellen Aktivitäten von JARABE. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen um die Hauptstadt Anfang Februar durfte JARABE erst im Juli seine Mitgliederversammlung durchführen. Dabei wurde u.a. der Wunsch geäußert, nicht nur in Benoye selbst, sondern auch in den abgelegenen Dörfern Hilfe und Beratung beim Anbau von Erdnüssen, Baumwolle etc. zu bekommen. Auf dieser Basis versuchen wir zur Zeit, ein Projekt zu entwickeln, welches die landwirtschaftliche Hochschule in N’Djamena und das Projekt von APPEL ESSONNE in Koumogo mit einbezieht. Dies ist auch ein wichtiger Grund für einen Besuch von J. Marquardt beim Ehepaar Vogelsberger in Paris, bei dem ein gemeinsamer Besuch der Messe EDUCATEC, dem Gegenstück zur deutschen DIDACTA, ganz obern auf der Liste steht. Das Ehepaar Vogelsberger bereitet wieder einen zumindest zweimonatigen Aufenthalt bei ihren tschadischen Partnern in Koumogo vor. Während dieser Zeit werden sie auch JARABE in Benoye einen Besuch abstatten.

M. Kourkaou hatte zwei bedeutsame Neuigkeiten im Gepäck. Es ist JARABE gelungen, aus einem Projekt der Weltbank zwei Projekte finanziert zu bekommen, die beide einen Quantensprung zum Bisherigen darstellen. Da ist zunächst das Projekt eines großen Saales auf dem Terrain des CENTRE CULTUREL in Benoye. JARABE nennt das neue Gebäude MAISON DE LA CULTURE. Für den Bau und die Ausstattung mit Mobiliar und technischen Geräten sind etwa EUR 45000 veranschlagt, wovon JARABE selbst 5% in bar aufbringen muß, weitere 5% können als Sachleistungen eingebracht werden. Und Milisor bat uns, JARABE mit diesem Betrag zu unterstützen, da man sonst das Projekt nicht realisieren könne.

Dieses MAISON DE LA CULTURE ist für Benoye ein unglaublicher Gewinn, weil jetzt erstmals ein größerer Raum zur Verfügung steht, der auch während der Regenzeit genutzt werden kann und zudem einen viel besseren Schutz für die empfindlichen technischen Geräte darstellt. Und wenn man bedenkt, dass der Raum auch eine elektrische Beleuchtung (gespeist vom vorhandenen Solardach) erhalten wird, können jetzt endlich Veranstaltungen auch in den Abendstunden stattfinden

Wir haben die Bitte im Vorstand und mit M. Kourkaou ausführlich diskutiert und uns dann entschieden, den Betrag zur Verfügung zu stellen, was allerdings nur möglich war, weil wir dankenswerterweise eine große Spende für den Tschad erhalten hatten. Das Geld ist mittlerweile per Banküberweisung in Moundou angekommen. Wir hoffen, dass wir bald auch Bilder des neuen Gebäudes erhalten und in unserem Rundbrief veröffentlichen können.

Das zweite von M. Kourkaou genannte Projekt ist allerdings noch viel bedeutungsvoller. Es ist ebenfalls von der Weltbank gefördert worden, und zwar zu denselben Bedingungen. Auch hier musste JARABE 5% in bar und 5% in Eigenleistung beibringen, also etwa EUR 5.000 von insgesamt gut EUR 50.000. Aber es handelt sich hier um nichts weniger als den Bau und den Betrieb eines kleinen regionalen Radiosenders. M. Kourkaou hat diesen Wunsch schon seit Jahren vorgebracht, wir haben auch versucht, Förderungsmöglichkeiten aufzutun – aber ohne Erfolg.


Rohbau des Radiosenders von JARABE in Benoye

Leider hat LHL e.V. zu diesem Projekt keinerlei Unterstützung gewähren können, umso mehr freuen wir uns, dass es unter der Leitung von M. Kourkaou dem Verein JARABE gelungen ist, seinen Beitrag aus eigener Kraft zu leisten.

Der Radiosender wird nicht rund um die Uhr senden können. Wir sind sehr gespannt auf die ersten Erfahrungen mit dem neuen Medium. Wir hoffen sehr, dass das Werk nicht durch unvorhersehbare politische Entwicklungen wieder zunichte gemacht wird.

M. Kourkaou hat erläutert, dass die Sendungen in der regionalen Sprache Gambai ausgestrahlt werden. Das neue Medium wird genutzt werden für vielseitige Informationen, was bei einer Analphabetenrate von über 50% und weithin mangelnden Sprachkenntnissen in der Amtssprache Französisch absolut notwendig ist. Wie wir erfahren konnten, wird der Sender nicht mehr vor Weihnachten in Betrieb gehen.

An dieser Stelle sollte eigentlich ein kurzer Text in Blindenschrift folgen. Warum? Wer von uns denkt denn noch darüber nach, wie sehr wir durch die Kunst des Lesens bevorzugt sind. Erst wenn wir etwas nicht entziffern können, vermögen wir zu erahnen, wie sich Analphabetismus anfühlt.

Damit die Menschen den Sendungen des kommunalen Radios folgen können, wird auch ein Projekt notwendig werden, welches kleine Empfänger zur Verfügung stellt, vor allem auch die Frage löst, wie man vermeidet, dass die Batterien als Müll irgendwo in der Landschaft entsorgt werden.

Es gibt leider auch weniger Erfreuliches aus Benoye zu berichten. Die Regenfälle waren in der zurückliegenden Regenzeit besonders ergiebig, so dass an vielen Stellen Überflutungen zu beklagen sind.

Die Feier zum zehnjährigen Bestehen von JARABE, die aus innenpolitischen Gründen nicht im Mai stattfinden konnte, wird nun Mitte Dezember in sehr bescheidener Form ausgerichtet werden. Der Hintergrund ist, dass zur Zeit in Benoye und Umgebung außerordentlich viele Todesfälle zu beklagen sind.

Der Stellvertreter von M. Kourkaou ist in Moundou von einem Militärfahrzeug angefahren worden und ernsthaft an einem Knie verletzt worden. Die Frage, ob er in irgendeiner Weise entschädigt werden wird, wurde von Milisor eher verneint, da es sehr schwierig sei, Personen des Militärs vor Gericht zu bringen. (Rundbrief LHL November 2008


April 2008

Jarabe in der Konsolidierungsphase

Am 24. Februar 2008 hat unser Partnerverein JARABE seine jährliche Mitgliederversammlung abgehalten. JARABE hat nicht nur viele Einzelmitglieder, sondern auch viele Gruppen aus den umliegenden Ortschaften. Bisher liegt uns noch kein Bericht von der Versammlung vor. M. Hoffmeister ist offiziell als DED-Mitarbeiter nicht mehr Betreuer von JARABE. Er wollte aber trotzdem teilnehmen.

In diesem Januar erreichte uns eine dringende Bitte von M. Kourkaou. Er erhält nur noch ein ganz kleines Gehalt vom DED, und auch diese Zahlungen werden Ende 2007 eingestellt werden. Wir haben ihm zunächst € 1.000 per Banküberweisung übergeben, damit er weiter seine Aufgabe als Koordinator wahrnehmen kann. Seine Führungsqualitäten sind irgendwie einzigartig, und wir hoffen inständig, dass Milisor noch lange diese so schwierige Aufgabe übernehmen kann. Bisher erhielt er etwa € 400 pro Monat für seine Tätigkeit. Ab dem kommenden Jahr müssen wir irgendwie einen Weg finden, um seinen Lebensunterhalt weiterhin zu gewährleisten. Es handelt sich dabei um eine Summe von etwa € 5.000 pro Jahr.

Es wäre wünschenswert, wenn diese Ausgaben als Teil eines neuen Projektes finanziert werden könnten, doch ist unverkennbar, dass der Aufbau des Lycée die Kräfte von M. Kourkaou und seinen Mitstreitern übermäßig beansprucht hat.

Hinzu kommt, dass Milisors Frau Fatimé über längere Zeit ernsthaft erkrankt war. Es steht wieder ein Arztbesuch im benachbarten Kamerun an, da die ärztliche Versorgung im Tschad selbst absolut unzureichend ist, um es relativ neutral auszudrücken.

An neuen Planungen und Ideen fehlt es nicht. So wäre es äußerst hilfreich für die Entwicklung der ganzen Region, wenn der Wunsch von JARABE nach einem regionalen Radiosender realisiert werden könnte.

Milisor und sein Stellvertreter Elysee führten auf unseren Wunsch hin Gespräche mit den Bewohnern von Massede. Das ist der Ort, in dem die Frauen allein ein Schulgebäude aus Ziegeln erbauten, ohne aber die drei Klassenräume mit einem ordentlichen Dach versehen zu können. Die Realschule in Diepholz spendete die Hälfte der Einnahmen aus dem Afrikaprojekttag im Juli 2006 in Höhe von € 450 für diese Schule. Mit diesem Geld kann aber höchstens das Dach für einen Klassenraum finanziert werden, und selbst da gibt es unerwartete Schwierigkeiten, weil bedingt durch die Unruhen im südlich gelegenen Zentralafrika die Holzpreise in fast unerreichbare Höhen gestiegen sind. Auch wenn der Südwesten bisher von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont wurde, so muß er auf diese und vielerlei andere Weise mit leiden. (Jürgen Marquardt in LHL Rundbrief 1/2008 v.11.3.08)


Entwarnung“ in Moundou

Aus dem Weihnachtsrundbrief 2007

Den Älteren unter uns dürfte der Begriff „Entwarnung“ noch in deutlicher Erinnerung sein, bedeutete er doch, dass ein Fliegerangriff vorbei war. Hier soll angezeigt werden, dass der Angriff auf das LYCÉE von JARABE in Moundou abgewehrt werden konnte. Die gute Nachricht kam in der vergangenen Woche per Email. M. Kourkaou hielt sich zwecks medizinischer Untersuchungen in der Hauptstadt auf. Zwei Mal konnte er mit dem Erziehungsminister persönlich sprechen und ihm das bisher Erreichte vorstellen. Dabei stellte sich heraus, dass dieser sich – im Gegensatz zu einer früheren absolut entgegegengesetzten Äußerung aus seinem Hause -sehr wohl über den Erfolg des LYCÉE freuen konnte. Und noch mehr! Wir wussten gar nicht, dass das LYCÉE zwar rechtzeitig den Antrag auf staatliche Anerkennung gestellt hatte, dass aber seit über drei Jahren dieser Antrag noch nicht beantwortet worden war. Den Wunsch nach amtlicher Anerkennung erfüllte der Minister jetzt mit einem amtlichen Papier, so dass von nun an das Lycée de l’Amitié vor Rankünen der örtlichen Politik geschützt ist. So weit, so gut!

Weniger erfreulich hat sich unser Bemühen gestaltet, JARABE durch einen Förderantrag bei der Niedersächsischen Lottostiftung finanziell beim Bau der drei neuen Klassenräume unter die Arme zu greifen. Unser Antrag vom 22. September wurde Anfang November beantwortet mit dem Hinweis, dass die Gelder für 2007 vergeben seien und dass darum der Antrag zurückgestellt werden müsse. Auf unsere dringende Bitte hin, doch zumindest einen kleinen Betrag für dieses Jahr zu genehmigen, wurde uns angeboten, einen neuen, auf eine Fördersumme von EUR 5.000 begrenzten Antrag zu stellen, was wir auch umgehend getan haben.

In der Zwischenzeit haben die Bauarbeiten begonnen. Eine Sonderzahlung der Eltern machte es möglich, und offenbar viele freiwillige Helfer. Die drei neuen Klassenräume werden eine unbedingt notwendige Erweiterung des Lycée bedeuten, denn bei jeweils zwei Parallelklassen und dreijähriger Dauer sind 12 Klassenräume plus Fachräume die notwendige Grundausstattung. Auf dem Schulgelände ist dafür genügend Raum vorhanden.

Alle Gebäude werden nach Möglichkeit mit der Längsseite auf die Außengrenze gesetzt, so dass langsam das ganze Schulgelände mit einer Mauer umgeben ist, was die Bewachung rund um die Uhr sehr erleichtert.

Nachdem der unangemessene Druck aus der Politik überwunden ist, kann jetzt der Ausbau der Schule in ruhigeren Bahnen erfolgen. Dringend notwendig ist ein Fachraum für die Naturwissenschaften, ebenso ein Bibliotheksraum mit Arbeitsmöglichkeiten für Lehrer und Schüler. Beide Räume sind nicht nur dringend gefordert, sie werden auch die Attraktivität der Schule erhöhen. Es sei nochmals daran erinnert, dass nicht nur der Anteil der jungen Frauen außergewöhnlich hoch ist, sondern dass diese auch – im Gegensatz zu den jungen Männern - ausnahmslos das Abitur bestanden haben.

Schon lange steht der Wunsch nach einem Klassenraum mit PCs auf der Wunschliste. Aber es gibt verschiedene Schwierigkeiten. Selbst wenn wir hier noch gut verwertbare PCs kostenlos erhalten, bleiben immer noch die hohen Kosten für den Transport. Und es muß berücksichtigt werden, dass das tropische Klima ganz besonders den PCs zusetzt. Also müssen gleich einige Ersatz-PCs mitgeliefert werden. Vor Ort besteht dann das Problem der Stromversorgung. Das öffentliche Stromnetz liefert nur unregelmäßig Strom.

Neuerdings haben wir die Hoffnung, einen neuartigen, für die Entwicklungsländer konzipierten schlichten PC einsetzen zu können. Es ist zwar klar, dass der angekündigte 100-Dollar-Laptop nicht zu dem Preis zu haben sein wird. Das neue Gerät soll aber über Funk mit den übrigen Laptops und dem Internet zu verbinden sein. Und ganz wichtig ist, dass die Laptops eine Kurbel besitzen, mit denen man den Strom selbst erzeugen kann. Wir hoffen sehr, dass wir in Bezug auf die PCs bald Klarheit haben.


Schüler im LHL-Projekt von Benoye


Bleibt Hilfe bei Krankheit ein leerer Traum?

Weihnachtsrundbrief 2007

In seiner letzten Email hat M. Kourkaou wiederum darauf hingewiesen, dass es für die Region von Benoye, d.h. für etwa 300.000 Menschen weder einen Arzt oder eine Ärztin oder eine Krankenpfleger oder eine Krankenschwester oder eine Hebamme gebe. Im ganzen Staat gebe es nur 250 Ärzte, von denen allein 140 in Behörden und bei Organisationen beschäftigt seien.

Im Gesundheitssektor besteht also ein nicht zu ermessender Mangel. Das ist der Hintergrund der Planung, die JARABE gern realisieren möchte: eine Ausbildungseinrichtung für Pflegepersonal in Moundou. Es gibt zwar seit kurzem in Moundou eine vom Staat getragene Schule für Pflegepersonal, aber es werden jährlich nur 15 Personen ausgebildet.

Schon seit 2005 steht dieser Plan im Raum, ohne dass dazu bisher konkrete Vorbereitungen getroffen werden konnten. Vielleicht ergibt sich ja jetzt eine Perspektive.



Frau Dr. Steinmetz und Jürgen Marquardt in Bad Honnef

am 22. November 2007


Der DED im Tschad hat die Ärztin Frau Steinmetz dafür gewinnen können, in Moundou das öffentliche Gesundheitswesen mit zu entwickeln. Sie hat soeben eine zweijährige Fortbildung in England beendet. Diese Ausbildung musste sie abrupt beenden, weil ihr tschadischer Ehemann Jacques Rokounal (s. letzter Rundbrief) so plötzlich verstarb.

Jürgen Marquardt nutzte die Gelegenheit, Frau Steinmetz in Bad Honnef während ihres Vorbereitungskurses bei InWent persönlich zu treffen. Dabei wurden ausführlich das Wirken von JARABE und die Planungen im Gesundheitsbereich erörtert.

Wir wünschen Frau Steinmetz von Herzen allen Erfolg in dem Land, an dem ihr Herz mittlerweile so hängt.


JARABES Schulen:

Spitzenpositionen in Tschad

Aus dem Rundbrief Nr.3/2007

In diesem Sommer haben die ersten Schülerinnen und Schüler nach drei Schuljahren ihre Abschlussprüfungen zum BAC am LYCEE de l’AMITIE in Moundou, der von JARABE geschaffenen gymnasialen Oberstufe, gemacht. Und die Riesenüberraschung: gleich beim ersten Anlauf hat das Lycée von JARABE landesweit die besten Abschlussergebnisse vorzuweisen. Aus sachlichen Gründen ist eine Einschränkung zu machen: zwei Gymnasien, in denen auf Arabisch unterrichtet wird – Arabisch und Französisch sind die offiziell zugelassenen Sprachen -, haben einen größeren Prozentsatz von erfolgreichen Schülern. Diese Schüler wurden allerdings in ihrer Muttersprache unterrichtet, während die Schüler in Moundou alle in ihrer ersten Fremdsprache Französisch unterrichtet und geprüft werden. Insofern ist also das Ergebnis am LYCÉE de l’AMITIÉ als anspruchsvoller einzuschätzen.

Das Lycée hat sich noch einer weiteren Besonderheit wegen einen Namen gemacht. Es ist wiederum die große Zahl von Mädchen, die das Abschlussexamen mit Erfolg abgelegt haben, darunter auch die 10, die sich im naturwissenschaftlichen Zweig gemeldet hatten.

Der Erfolg von JARABE lässt sich vor allem an zwei Dingen festmachen: da die Lehrer regelmäßig von den Schulgeldern bezahlt werden, die die Schüler entrichten müssen, fällt kein Unterricht wegen Streik aus, was in den öffentlichen Schulen gerade wieder über viele Wochen im ganzen Lande geschehen ist. Und: Jarabe hat von vornherein festgelegt, dass die Klassengröße die Zahl 35 nicht sonderlich überschreiten solle. Im Vergleich dazu: an dem öffentlichen Lycée in Moundou gibt es bei über 8000 Schülern nur 44 Klassen, was einer Klassengröße von etwa 200 entspricht.

Wir gratulieren unseren Freunden von JARABE zu diesem Erfolg von ganzem Herzen und freuen uns mit ihnen. Und wir dürfen mit einem gewissen Stolz sagen, dass wir mitgeholfen haben, dieses Ziel zu erreichen.

Ein kurzer Blick zurück: Mehrmals über die Jahre hatte Milisor Kourkaou LHL gebeten, JARABE bei der Eröffnung einer gymnasialen Oberstufe zu unterstützen. Und wir mussten jedes Mal sagen, dass wir weder dazu finanziell imstande seien noch dass wir diesen Plan für den Standort Benoye für sinnvoll hielten. Als JARABE im Jahre 2004 ohne unsere Hilfe oder Zustimmung die gymnasiale Oberstufe in der Form des LYCÉE de l’AMITIÉ eröffnete, wurde als Standort eben nicht Benoye, sondern Moundou gewählt, weil die Voraussetzungen in Benoye nicht zu schaffen gewesen wären. Das betraf vor allem die Verfügbarkeit von fachlich qualifizierten Lehrkräften.

Es ist bewundernswert, was JARABE in Moundou, der zweitgrößten Stadt des Tschad, in den letzten drei Jahren fast vollständig aus eigener Kraft geschaffen hat. Zwar waren die Ressourcen im vergangenen Jahr erschöpft, aber da konnte LHL mit Hilfe eines beachtlichen Zuschusses des AGENDA 21-Fördervereins in Diepholz einspringen. Und das hat sich wirklich gelohnt.

Wie schon früher berichtet, möchte JARABE seinen erfolgreichen Abiturienten und Abiturientinnen auch weitergehende berufliche Perspektiven eröffnen. Einer der Pläne sah vor, etwa 10 Abiturientinnen und Abiturienten auf Kosten von JARABE ein Pädagogikstudium absolvieren zu lassen. Als Gegenleistung sollten sie dann über 10 Jahre als feste Lehrkräfte für das Lycée tätig sein, um die Fluktuation unter den Lehrkräften möglichst gering zu halten. Das ist wirklich ein sinnvoller Plan, mangels Geld aber nicht zu realisieren. Aber alle Pläne erfordern beachtliche Vorarbeiten und danach Investitionen.


Aktuelle Daten zu den Schulen


M. Kourkaou hat uns die Schülerzahlen zu Beginn des neuen Schuljahres mitgeteilt. Das Collège in Benoye hat insgesamt 204 Schüler, davon bemerkenswerterweise 120 Mädchen. JARABE bittet um ein Unterstützung von FCFA 7.500 / € 11,45 pro Schülerin, was einer Summe von FCFA 900.000 / € 1.374 entspricht, wozu die erste Rate schon überwiesen wurde.

Das Lycée in Moundou wird von 126 Schülerinnen und 212 Schülern besucht. Bisher haben wir nicht zugesagt, auch dort das Schulgeld der Mädchen zu subventionieren, aber M. Kourkaou hat auch hier um Unterstützung in Höhe von nur FCFA 5.000 pro Schülerin gebeten, was einer Gesamtsumme von € 962 entspricht.

Und dann ist es notwendig gewesen, die Honorare der Lehrer in Benoye auf FCFA 500 / € 0,76 zu erhöhen, was ein Jahresdefizit von € 318 verursacht hat. Wir wurden auch um die Übernahme dieser Summe gebeten, was wir dank der Spenden auch tun können.

Für neue Tische und Bänke und die Reparatur von beschädigten hat man uns um Unterstützung gebeten, insgesamt € 761.


Mit dem Buchstaben des Gesetzes gegen den Geist des Gesetzes

Ende Juli erreichte uns eine Nachricht von M. Kourkaou, die wir zunächst gar nicht verstehen konnten. Eine Kommission des Erziehungsministers hatte das Lycée überprüft und festgestellt, dass drei Klassenräume nicht ganz die offizielle vorgeschriebene Größe von 7 x 9 Metern besaßen. Daraufhin wurde entschieden, dass man der Schule die staatliche Anerkennung entziehen werde, falls nicht binnen drei Monaten drei Klassenräume in der vorgeschriebenen Größe vorgezeigt werden könnten. Da war guter Rat teuer.

Natürlich haben Milisor und seine Leute sofort auf dem Schulgelände das Terrain für den Bau der Klassenräume so hergerichtet, als ob die Bauarbeiten schon begonnen worden seien. Die Schülereltern beschlossen bei einer eilig einberufenen Zusammenkunft, einen kleinen Sonderbeitrag zu leisten, und über einen Schülervater wurde ein Bankkredit besorgt, was überaus ungewöhnlich ist. Man ist in jeglicher Hinsicht bis an die Grenze des Möglichen gegangen, um den Fortbestand des Lycées zu erreichen. Doch wie lässt sich das benötigte Investitionsvolumen von EUR 25.000 für drei Klassenräume beschaffen?

Nachdem JARABE wirklich sein Äußerstes getan hat, haben wir von LHL nicht gezögert, das uns Mögliche zu tun und zumindest einen Förderantrag bei der Niedersächsischen Umweltstiftung zu stellen. Diesen Antrag haben wir leider erst am 19. September stellen können, weil die notwendigen Unterlagen aus Moundou nicht schneller zu beschaffen waren.

Noch einige Anmerkungen zum Vorgehen der Regierungskommission: Bei der im Lande üblichen Klassengröße von 70 und mehr Kindern sind 7 x 9 Meter wahrhaftig notwendig. Einen Bürokraten braucht es nicht zu interessieren, dass die Klassenräume am Lycée nur 35 Schüler aufnehmen sollen.

Das bürokratische Vorgehen kommt nicht von ungefähr. Der überwältigende Erfolg des Lycées von JARABE, der sicher landesweit kommentiert wird, kann dem tschadischen Staat nicht gleichgültig sein, hält er doch dem öffentlichen Lycée in Moundou und überhaupt dem ganzen staatlichen Schulsystem ein wenig behagliches Spiegelbild vor. Wie uns mitgeteilt wurde, hat die Kommission bei 40 privat organisierten Bildungseinrichtungen in der Region formale Mängel gefunden und deren Schließung angekündigt. Der Regierung in N’Djamena dürfte die positive Entwicklung der Zivilgesellschaft in der Region Moundou wirklich ein Dorn im Auge sein. Moundou ist die zweitgrößte Stadt des Tschad und zudem das Zentrum der Region, in der seit 2005 Erdöl für den Weltmarkt gefördert wird. Die Einnahmen aus diesem Export verwendet die Regierung – entgegen den ursprünglichen Absprachen mit der Weltbank – jetzt zum Kauf von Waffen, statt sie für die Armutsbekämpfung im Lande einzusetzen.

Es könnten viele Details berichtet werden, die uns durch unsere Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Erdölprojekt Tschad-Kamerun bekannt werden, es mögen aber diese wenigen Hinweise schon genügen, um die Situation zu beleuchten, in der unsere Freunde von JARABE agieren müssen.




Neues von JARABE


Aus dem Rundbrief Nr.2/2007 (Frühjahr 2007)

Zur Zeit bereiten sich die Schülerinnen und Schüler des Lycées in Moundou auf ihre Abiturprüfung vor. Es ist der erste Durchgang, und die Erwartungen sind hoch. Für die jungen Leute waren die drei Jahre wahrhaftig nicht einfach. Viele mußten neben dem Schulbesuch noch arbeiten, um sich den Lebensunterhalt zu erarbeiten. Und dann gab es zu Beginn dieses Jahres wieder so hohe Temperaturen, dass Milisor in einer Email schrieb: „Canicule chez nous – Hundstage bei uns“, also die heißesten Sommertage, die aber dort 40 Grad im Schatten und mehr bedeuten. Wegen dieser unerträglichen Verhältnisse bat Milisor für seine Schüler und Lehrer auch um Ventilatoren in den Klassenräumen. Wie er schrieb, scheint neuerdings die öffentliche Stromversorgung nicht mehr so viele Ausfallzeiten wie früher zu haben.

Weiterhin gab es eine Meningitis-Epidemie in Moundou, von der auch einige Schülerinnen und Schüler betroffen waren. Es ist schon in unserem Lande eine gefährliche Krankheit, wie viel mehr bei einer fast vollständig fehlenden medizinischen Versorgung in Tschad.

Milisor und seine Frau Fatimé sind übrigens wiederum gezwungen gewesen, in das benachbarte Kamerun zu reisen, um sich dort medizinischen Kontrolluntersuchungen zu unterziehen.

Nach seiner Rückkehr schrieb Milisor, dass man ihm ärztlicherseits dringend geraten habe, seine Gesundheit zu schonen und auch Ruhezeiten regelmäßig einzuhalten. Zur Erläuterung sei angemerkt, dass Milisor bei seinem letzten Besuch erleichtert hervorhob, wie sehr er es genieße, nicht Tag und Nacht mit den Anliegen von Vereinsangehörigen und anderen konfrontiert zu werden. Wir hoffen sehr, dass der Wege finden wird, sich die Zeit zur Erholung frei zu halten.