Projektberichte Tschad 2010+2011

Januar 2011:

Neues von unseren Partnern im Tschad

Zahlreiche Spender und ganz besonders die Schülerinnen und Schüler des  LILIENTHAL-Gymnasiums in Berlin haben im letzten Jahr unseren Partnern im Tschad geholfen, folgende Projekte zu realisieren. Wir danken ganz herzlich!


Das Bild zeigt das Gelände des COLLEGE de l’AMITIE in Benoye. In den weißen Gebäuden befinden sich die vier Klassenräume für je etwa 40 Schülerinnen und Schüler. Der rote Erdwall stammt vom Brunnenbau, der im Frühjahr 2010 durchgeführt wurde. Aus diesem Brunnen wird auch das Wasser für die Bewässerung im anliegenden Schulgarten gewonnen.

Im Vordergrund sieht man einen noch unfertigen Zaun, der als Schutz für einen kleinen Schulgarten dienen soll. Dieser Garten dient der Herstellung von Kompost und dem Anbau von Heil-Pflanzen, vor allem der Pflanze ARTEMISIA, die sehr effektiv bei der Bekämpfung von Malaria ist.


Das Foto zeigt Schülerinnen des COLLEGE de l’AMITIE in Benoye. Die grüne Schulkleidung ist vorgeschrieben. Sie zeigt jedermann, daß die Trägerin das COLLEGE besucht und somit zu einer Schule gehen darf.

Das Foto zeigt Schülerinnen, die in familiären Notsituationen stecken und deswegen nicht mehr imstande sind, die Schulgebühren zu entrichten. Hier versucht der Verein LHL e.V. schon lange auszuhelfen durch Übernahme der Schulgebühren und durch Vergabe von Stipendien. Es ist unabdingbar, daß vor allem die Mädchen eine Schulbildung erhalten, denn diese Kenntnisse werden ihnen später helfen, das Leben besser zu meistern.
Ein größerer Teil der Gelder für die Unterstützung der hilfsbedürftigen Mädchen wurde 2010 gespendet vom LILIENTHAL-Gymnasium in Berlin.

          Das Foto zeigt Teilnehmer und Teilnehmerinnen eines Kurses, der dem Thema „Herstellung und Nutzung von Kompost“ gewidmet war. Der größte Teil der Bevölkerung im Tschad lebt noch auf dem Lande und versorgt sich fast mit allem selbst aus einer kleinen Landwirtschaft. Da Brachephasen wegen der gewachsenen Bevölkerung nicht mehr möglich sind, sinken die Bodenerträge ständig, und Hungersnöte sind die Folge.

Die Nutzung von Kompost, die im Lande bisher nicht bekannt ist, erlaubt eine Steigerung der Erträge in ökologisch angepaßter und in einer für die Bauern finanziell erschwinglichen Form. Die Kurse wurden durchgeführt von Dipl.Agr.Ing. A. Diop – (mit der Mappe in der Mitte des Bildes)

Dieser neu erstellte Brunnen liegt genau neben der Schule COLLEGE de l’AMITIE des Partnervereins JARABE ( zu deutsch: Wir bauen das Land auf ) in Benoye im Südwesten des Tschad.

Der Brunnen hat eine Tiefe von etwa 25 Metern. Das daraus gewonnen Wasser hat Trinkwasserqualität, so daß die Schülerinnen und Schüler und die gesamte Schule zum ersten Mal eine eigene Wasserversorgung auf dem Schulgelände haben. Bisher wurde alles Wasser per PKW herangeschafft.

Die Gelder für den Bau des Brunnens wurden gespendet vom LILIENTHAL-Gymnasium in Berlin.



Stand: Dezember 2010

TSCHAD

Neues von unserem Partnerverein JARABE in Benoye.

Der Verein JARABE betreibt mehrere Schulen.

Den Anfang machte das COLLÈGE de l’AMITIÉ in Benoye, welches von Spendengeldern aus Deutschland gebaut wurde und seit Beginn im Jahre 1995 von LHL dadurch gefördert wird, dass wir jeweils etwa die Hälfte der Schulgebühren für die Schülerinnen übernehmen, was jedes Jahr etwa EUR 1.500 beträgt. In den ersten Jahren hob sich das Collège u.a. durch den hohen Prozentsatz von Mädchen von den anderen Schulen in der Region ab. Es wird nicht verwundern, dass regelmäßig die Mädchen zu den besten bei den Abschlussprüfungen gehören.

Auf vielfaches Drängen von Eltern eröffnete JARABE vor etwa 6 Jahren eine gymnasiale Oberstufe, das LYCÉE de l’AMITIÉ, dieses Mal allerdings in der benachbarten Großstadt Moundou wegen der dort bedeutend besseren Bedingungen. In diesem Jahr erhielten wir die überaus erfreuliche Mitteilung, dass das Lycée bei den Abschlussprüfungen zum Abitur landesweit die höchste Erfolgsquote zu verzeichnen hat. Dies macht deutlich, dass Milisor Kourkaou und seine Kollegen Wert darauf legen, dass ein qualitätsvoller Unterricht erteilt wird und nicht gute Zensuren durch Bestechung gegeben werden. Wir gratulieren den Kolleginnen und Kollegen am Lycée zu ihrer wirklich herausragenden Leistung.

Leider sind nicht alle Eltern so qualitätsbewusst. Überraschenderweise ist die Zahl der Schüler am Collège in Benoye auf 30 gesunken, während die Zahl der Mädchen konstant geblieben ist bei 118. Natürlich hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Familien deutlich verschlechtert, was als Erklärung dienen könnte, denn es gibt keine Schule, die nicht Schulgeld erhebt. Auf Nachfrage erläuterte Milisor Kourkaou, der Koordinator von JARABE, dass sich viele weitere Collèges in der Region gegründet hätten, die aber wenig Wert legen auf qualitätsvollen Unterricht und zielgerichtete Vorbereitung auf die Prüfungen. Wenn das Collège genügend Schülerinnen und Schüler behalten will, um die Lehrkräfte und die laufenden Kosten bestreiten zu können, muss die Schule noch attraktiver gemacht werden. Zwar gilt schon jetzt das Collège wegen seiner Ausstattung als Modellschule, aber offenbar noch nicht attraktiv genug. Milisor träumt davon, auch an dieser Schule einige PCs einsetzen zu können, um praktischen Unterricht für spätere Bürotätigkeiten anbieten zu können. Was bei uns selbstverständlich ist, findet man im Tschad nur in den vielleicht drei größten Städten an einigen Schulen. Wir werden versuchen, gemeinsam Lösungen für diesen Wunsch zu finden.

JARABE ist zum wichtigsten Verein für das kulturelle Leben der ganzen Region geworden. Vor allem sein Koordinator Milisor Kourkaou äußerte schon vor Jahren den dringenden Wunsch, ein eigenes regionales Radio einzurichten. Es ist JARABE gelungen, Gelder aus einem Programm der Weltbank dafür zu erhalten. Da am Schluss doch noch Geld fehlte, u.a. für die Zollgebühren, zögerte sich der Beginn der Sendungen hinaus. In seiner letzten Email teilte Milisor mit, dass man nun in der letzten Phase der Einrichtungen stecke und möglicherweise noch vor Jahresende die ersten Sendungen ausgestrahlt werden können. LHL hat bei diesem Projekt weder Pate gestanden noch finanzielle Unterstützung leisten können. Wir stehen staunend vor diesem Kraftakt und können nur hoffen und wünschen, dass dieses so wichtige Projekt nachhaltig betrieben werden kann und somit hilft, die vielen wichtigen Informationen und Ratschläge möglichst vielen Menschen zukommen zu  lassen, von denen die meisten Analphabeten sind, die weder jemals eine Schule besuchen konnten noch der Amtssprache, der französischen Sprache, mächtig sind.

Wie bedeutsam JARABE und Benoye mittlerweile für die Region geworden sind, lässt sich erkennen an den Teilnehmerzahlen


Bild: Die erste Gruppe von Teilnehmern an der Schulung zur Kompostnutzung in N’Djamena im Februar 2010 – links im weißen Anzug Dipl.-Agraring. Diop, rechts am Rand Fatime Kourkaou

eines Wochenendes im Oktober. Fatime, die Ehefrau von Milisor, die auch in einer regionalen Frauenorganisation leitend tätig ist, hatte zu einem Wochenende nur für Frauen eingeladen, auf dem u.a. das im Frühjahr begonnene Projekt der Herstellung und Nutzung von Kompost vorgestellt wurde. Wenn man den miserablen Zustand der Straßen und die geringen Möglichkeiten zu reisen bedenkt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass die Zahl der Teilnehmerinnen etwa 1.500 betrug. Abdallah Diop aus N’Djamena, der als Dipl.Agraringenieur die Schulungen leitet, konnte leider selbst nicht teilnehmen, weil an einem Tag ein älterer Bruder und ein Vetter starben. In der letzten Novemberwoche konnte er aber den zweiten Teil der Schulung in Moundou wie auch in Benoye leiten. Das ganze Projekt wurde gemeinsam mit unseren französischen Partnern von Appel Essonne vorbereitet und durch einen Zuschuss von EUR 2.100 von der niedersächsischen Bingostiftung ermöglicht.

Wir sind sehr zufrieden, dass vielen Kleinbauern eine Möglichkeit eröffnet wurde, ohne chemische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel ihre mageren Erträge auf ausgelaugten Böden zu erhöhen.

Zum Schluss möchten wir den Wunsch äußern können, dass die politische Lage im Lande ruhig bleibt. Es finden in diesen Tagen wiederum Kommunalwahlen und im kommenden Frühjahr die Wahl des Präsidenten statt. Wenn auch alles diese Wahlen nicht beanspruchen können, demokratischen Spielregeln zu genügen, so ist es unbedingt wichtig, dass es nicht zu Unruhen und zu Blutvergießen kommt. Erst wenn sich ein breiter Mittelstand gebildet hat, wird sich die politische Lage im Lande ändern. Aber dieser Tag ist noch nicht abzusehen.

Für unsere Vorhaben benötigen wir Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk: „Tschad“

Jürgen Marquardt  (Weihnachtsrundbrief LHL 2010)


Bild: Der neue Brunnen beim Collège, der aus Spendengeldern vom Lilienthal-Gymnasium in Berlin gebaut werden konnte.



Neues von JARABE

Stand: 13.10.10

Die Mitglieder von JARABE, die an dem Kurs zur Herstellung von Kompost in N’Djamena im Februar teilnahmen, haben schon mehrere größere Veranstaltungen in Benoye und Moundou durchgeführt, um möglichst viele Mitglieder in das Thema einzuführen.

Die beiden Studenten, deren Studiengebühren von LHL dank einer Spende des Vereins Agenda-21-Förderverein in Diepholz getragen werden konnten, haben im Juli ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und werden ab Oktober am College und am Lycee unterrichten.

Milisor hat uns detaillierte Budgets der Jahre 2008 und 2009 für die Schulen und für JARABE geschickt. Wir sind froh, daß es JARABE mittlerweile gelingt, auch aus anderen Quellen Unterstützung zu erhalten. Es zeigt sich aber auch, daß jetzt zunächst einmal eine Phase der Konsolidierung notwendig ist, um die mittlerweile zur Verfügung stehenden Einrichtungen und Mittel nachhaltig nutzen zu können.

(Jürgen Marquardt, Rundbrief LHL, August 2010)

Das Projekt von LHL


Seit vielen Jahren ist LHL in Moundou im Süden des Tschad mit dem dortigen Verein JARABE verbunden, der dort, mit kräftiger Unterstützung aus Diepholz ein Gymnasium unterhält. Und die besondere Spezialität der Oberschule ist, daß besonders viele Mädchen das Abitur erreichen. LHL fördert in unregelmäßigen Abständen diese Schule, je nach Bedarf. So etwa wurde das Schulgeld für Mädchen übernommen, um ihnen den Besuch des Lycées zu ermöglichen. Auch wurden die Studiengebühren von zwei Schulabgängern übernommen, die sich derzeit in der Lehrerausbildung befinden und später zur Schule zurückkehren - als Lehrer. Leiter der Schule ist Milisor Kourkaou, der schon mehrmals in Deutschland zu Besuch war.
Die langjährige Unterstützung hat sich gelohnt: Im August 2010 teilte uns der Schulleiter mit, daß das Lycée im gesamten Tschad derzeit die besten Resultate vorweist.

Allgemeine Informationen zum Tschad finden Sie bei unseren Links