Solares Licht

    

Düsseldorfer Impulse für die Beleuchtung Afrikas:

Vom solaren Licht zur Energieberatung

Lernen helfen Leben e.V. hatte im Rahmen der Aktion Agenda 21 zum letzten Märzwochenende ins Düsseldorfer Eine-Welt-Labor zu einem Seminar „Solares Licht in Afrika – Erfahrungen und Analysen“ eingeladen. Sämtliche Teilnehmer hatten Erfahrungen mit Projekten in Afrika und konnten deshalb kompetent ein durchaus überraschendes Resultat erarbeiten. Doch der Reihe nach:

Der Referent Arwed Milz hat in verschiedenen afrikanischen Ländern junge Leute in Solartechnik ausgebildet, u.a. in Nigeria und Burkina Faso. Eine Ausbildung in Städten kommt für ihn nicht mehr in Frage: „Die wollen doch nur schnelles Geld verdienen. Die Nachhaltigkeit bleibt dabei auf der Strecke.“ Ganz anders auf dem Land. Welche Ausbildung – allerdings von den „Barfuss-Ingenieurinnen“ in Indien durchgeführt, war hier am erfolgreichsten? Jene von Frauen, die nicht Lesen und Schreiben können! Das hindert sie nicht, heute Solarlampen und solare Homesysteme zusammenzubauen, sich ein Nebenerwerbs-Einkommen zu erwirtschaften – und diese Frauen bleiben langfristig vor Ort, sind in der Lage Reparaturen durchzuführen und dörfliche Energieprobleme zu lösen. Bei jungen Leuten besteht eher die Gefahr, dass sie in die Städte abwandern und dann – siehe oben.

Den größten Erfolg hat Arwed Milz in Burkina Faso. Seine „Diagnose“ war: Die Dörfer haben keinen Netzstrom aber viele elektrische Kleingeräte. Der Batterieverbrauch ist immens. Und seine „Therapie“ ist so einfach wie im wahrsten Sinne des Wortes einleuchtend: „Ziel muss der Systemwechsel sein, hin zum Akku“. Die gesamte Ausbildung soll diesen Systemwechsel vorbereiten. Doch dazu ist eine Voraussetzung nötig: Man muss die Lebenswelt der Menschen kennen und die Lösungsalternativen zu den Batterien mit den Menschen in den Dörfern selbst abstimmen. Und dann wird jeweils auch ein guter, zuverlässiger Projektleiter benötigt. Herauskommen „Ladestationen“ welche die Akkus regelmäßig im Abonnement aufladen, preisgünstig und wirksam.

Wer dann Thomas Ricke von der Firma „Villageboom“ in Münster anhörte, hätte am liebsten viel Geld gehabt und dies sofort in die Verbreitung von Solarlampen eingesetzt. Ricke stellte die Weltbank-Studie „Lighting Africa“ vor – und berichtete von traumhaften Wachstumspotentialen für solartechnische Kleinanlagen wie Solarlampen, die z.B. auch Handys aufladen können. Die meisten Menschen ohne Netzstrom weltweit leben in Afrika. 2012 hatten 175 Mio. Menschen in Afrika zwar keinen Netzstrom, aber Handys. Schon 2015, also im nächsten Jahr, wird von 400 Mio. Handybesitzern ohne Netzstromzugang ausgegangen. Die Weltbank sieht einen rapiden Anstieg des Verkaufs von Solarleuchten voraus. Bisher werde von einer „Marktdurchdringung“ von gerade mal 4 % ausgegangen – mit anderen Worten: Hier ist ein riesiges Wachstumspotential. Und dabei verbessern sich die angebotenen Solarlampen-Modelle von Jahr zu Jahr. Das Preis-Leistungsverhältnis wird immer besser, die Herstellungskosten sinken erstaunlicherweise und mit LED werden die Lampen auch noch wesentlich effektiver.

Daniel Djedouboum, Arnaud Azam und Heinz Rothenpieler brachten dann Praxisberichte aus dem Tschad, aus Togo und aus der Demokratischen Republik Kongo. Der Tschad steht mit solarem Licht erst am Anfang. Auch die Partner von Heinz Rothenpieler stehen mit Solarlampen im Ostkongo erst am Anfang. Der Bedarf ist immens – aber auch vor allem die administrativen Hindernisse. Insbesondere der Transport in die Region ist nicht einfach und die Erfahrungen mit den Zollschranken haarsträubend.

Arnaud Azam, frisch zurück von einer Togoreise, hat dort eine Umfrage bei Familien gemacht und eine Fülle von elektrischen Kleingeräten in einer einzigen Familie vorgefunden, oft alles andere als energieeffektiv.


Lampen mit Batterien aller Art auf einem Markt in Togo. Foto: Arnaud Azam, LHL

Auch auf den Märkten Togos ist ein breites Angebot von Billiglampen zu finden. Doch weder bei den Händlern noch bei den Kunden sind nennenswerte Kenntnisse zur Effektivität der Produkte vorhanden – mit dem Ergebnis, dass oft sehr schnell Elektroschrott entsteht. Deshalb haben dann die Seminarteilnehmer ein ganz konkretes Programm diskutiert: Auch in den ländlichen Bereichen in Afrika – in den Städten sowieso – muss für Energieberatung ausgebildet werden. Energieberater könnten nebenamtlich etwa die Verkäufer von Telefoneinheiten sein oder solche, welche Geräte wiederaufladen können. Sie müssen Kompetenzen erworben haben, um den Energieverbrauch der einzelnen angebotenen Geräte zu messen. Sie müssen sich fortbilden, um die Entwicklungen auf dem Markt der Solarlampen oder der solaren Homesysteme bewerten zu können. „Energieberater“ ein Beruf mit Zukunft – auch in Afrika. Eine Perspektive, die noch nicht einmal viel Geld kostet, für die Menschen am Ende aber sehr viel Geld einsparen lassen könnte. Die Seminarteilnehmer waren begeistert über diese Perspektive und planen gleich weitere Veranstaltungen um ein Konzept für „Energieberatung in Afrika“ mit kleintechnologischem Gerät zu entwickeln.



Im Rahmen der Agenda21 lädt ein nach Düsseldorf zu einem Studienseminar für Freitag, 28.März 2014 ab 16 Uhr bis Samstag, 29. März, mittags, ins EINE-WELT-LABOR, Franz-Jürgens-Berufskolleg, Färberstr. (S-Bahnhof Düsseldorf-Friedrichstadt)

Solares Licht in Afrika – Erfahrungen und Analysen

Afrika beleuchten – ist das eine Aufgabe? Afrika bei Nacht bedeutet: Fast überall Finsternis. Europa bei Nacht: Alles hell erleuchtet. Wieder Gegensätze: In Europa lautet die Frage, ob wirklich alles des Nachts hell erleuchtet sein muss. In Afrika ganz umgekehrt: Die Sehnsucht vieler Menschen, wenigstens abends noch ein wenig Licht zu haben, um noch einiges erledigen zu können.

Das Seminar ist Teil der Reihe „Bestandsaufnahme erneuerbarer Energien in Afrika“. Die erste Veranstaltung im Juli 2013 ergab einen sehr unterschiedlichen Eindruck von der Situation in afrikanischen Ländern. Das zweite Seminar im September befasste sich mit einem speziellen Problem des Elektroschrotts: Altbatterienrecycling in Afrika – das fast nirgends stattfindet, obwohl die Zahl der Batterien immer weiter zunimmt. Und dieses Seminar fragt, ob Solarlampen die Lösung sind - oder nicht eher solare Homesysteme.

Referenten sind LHL-Mitglied Arwed Milz, der u.a. in Burkina Faso und Nigeria Solarlampen und solare Homesystem eingeführt hat und Thomas Ricke von Villageboom stellt die Studie „Lighting Afrika 2012“ vor, die Mitte letzten Jahres erschien. Chantal Kloecker, Daniel Djoudeboum und Heinz Rothenpieler berichten außerdem über kleine Praxisbeispiele: Solarlampenprojekte bzw. die Situation des Solarmarktes in Togo, im Tschad und in der Deomkratischen Republik Kongo.

Programm

Freitag, 28. März 2014

16.00 Uhr Begrüßung und Vorstellung der Teilnehmer. Einführung ins Thema

16.30 Uhr Kurzer Überblick der LHL-Solarprojekte in Afrika

17.00 Uhr Arwed Milz: Erfahrungen mit Solarlampen in Nigeria und solaren Homesystemen in Burkina Faso

18.00 Uhr Aussprache

18.30 Uhr Pause – Imbiss

19.15 Uhr Thomas Ricke: Lighting Africa – Ergebnisse einer Studie

20.15 Uhr Aussprache


Samstag, 29. März 2014

09.00 Uhr Anfragen an unsere Projekte. Einführung Arwed Milz

09.15 Uhr Daniel Djedouboum: Situation im Tschad

09.45 Uhr Chantal Kloecker: Erfahrungen aus Togo

10.15 Uhr Heinz Rothenpieler: Das Solarlampenprojekt im Ostkongo

10.45 Uhr Aussprache, Diskussion

Moderation: Heinz Rothenpieler

Überlegungen von Arwed Milz zum Seminarvorhaben


Solarenergie in Afrika - Was wir diskutieren sollten

LHL engagiert sich im Bereich der Solarenergie in verschieden Projekten (Solarlampen/Bau von Solar-Home-Systemen), bzw. es besteht der Wunsch dieses verstärkt zu tun.

Wie nachhaltig sind diese Projekte?

Die Solarwerkstatt in Kaduna (Nigeria) ist mehr oder weniger eingegangen. Was ist der Grund? Wenn jetzt vermehrt der Wunsch besteht, Solarlampen nach Afrika zu bringen, ist das zwar verständlich, weil die immer gebraucht werden können. Aber wie ist die Perspektive eines solchen Solarlampenprojektes?

Ich hatte ja auch vor, in das Dorf Gourgou Solarlampen zu bringen. Hätte ich es getan, wären die gern genommen (gekauft) worden. Aber als ich die tatsächlichen Bedürfnisse und Lebensumstände der Menschen in dem Dorf untersucht hatte, stellte sich heraus, das eine Solarlampe die Probleme mit den vielen kleinen elektrischen Geräten und dem damit verbundenen hohen Verbrauch von Einwegbatterien nicht gelöst hätte. Die richtigere Lösung des Energieproblems sind in diesem Fall Solar-Home-Systeme. Es kann dann in einem Projekt praktisch geklärt werden, ob diese Lösung zu realisieren ist (Finanzierung, Beschaffung des Materials, Bau, Vertrieb usw.).

Aufgrund meiner Erfahrungen (Solarwerkstatt Kaduna / SHS-Bau in Burkina-Faso / Solarlampenbau / -vertrieb) schlage ich folgendes vor: Wir sollten  mal grundsätzlicher klären warum, auf welcher Grundlage und wie wir uns in diesem Bereich engagieren.

Ich könnte zum Einstieg einen Überblick geben, was in Afrika nach meinen Informationen im Bereich des Solarstroms läuft (Solarlampenprojekte, subventionierte Klein- und Großprojekte, gewerbliche Projekte). Darüber hinaus kann ich meine Erfahrungen darlegen, was alles sinnvollerweise vor und während eines Projektes gemacht werden sollte:

- Bedürfnisse und Lebensumstände der Menschen hinsichtlich ihres Energiebedarfs analysieren

- Finanzierung (Selbstfinanzierung durch die Verbraucher, Subventionierung, Kreditfinanzierung)

- Marktanalyse (Beschaffung, Logistik, Kosten)

- Umsetzung (Selbstbau, Import von Fertigprodukten)

- Probleme der Nachhaltigkeit

 

Arwed Milz / Reinbek, 27.1.14

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Teilnahmebeitrag für Verpflegungskosten: 10 Euro.

Die Veranstaltung wird gefördert von der Agenda21 in Düsseldorf

Wir bitten um Anmeldung via: schule@l-h-l.org