Weihnachtsrundbrief 2010


Vechta, im Advent 2010

WEIHNACHTSRUNDBRIEF 2010

Nimm Dir Zeit, um zu arbeiten,

es ist der Preis des Erfolges.

Nimm Dir Zeit, um nachzudenken,

es ist die Quelle der Kraft.

Nimm Dir Zeit, um zu spielen,

es ist das Geheimnis der Jugend.

Nimm Dir Zeit, um zu lesen,

es ist die Grundlage des Wissens.

Nimm Dir Zeit, um freundlich zu sein,

es ist das Tor zum Glücklich sein.

Nimm Dir Zeit, um zu träumen,

es ist der Weg zu den Sternen.

Nimm Dir Zeit, um zu lieben,

es ist die wahre Lebensfreude.

Nimm Dir Zeit, um froh zu sein,

es ist die Musik der Seele.

( aus Irland )

Wir wünschen unseren Mitgliedern und Freunden und Förderern, dass Sie sich in der Weihnachtszeit und an jedem Tag des neuen Jahres mehr Zeit nehmen - zum Glücklich sein, zum Träumen, zur Freude.

Wir danken allen für ihre Unterstützung und Treue und hoffen auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit allen und unseren Partnern in Afrika.

Es grüßt Sie alle von ganzem Herzen


für den Vorstand von LHL


ZUR JAHRESWENDE

Ein recht erfolgreiches Jahr liegt hinter uns.

Zwar haben sich drei Mitglieder, die fast seit der Gründung zu LHL gehören, aus Altersgründen von uns verabschiedet, aber es sind dafür vier Menschen neu in unseren Verein eingetreten, die wir herzlich begrüßen.

Vor allem im Jahre 2009 haben wir eine ganze Reihe neuer Mitglieder begrüßen können, die jeweils zur Unterstützung von verschiedenen neuen Projekten zu uns stießen.

Das Jahr 2010 war wieder arbeitsreich. Dies betrifft vor allem unsere große KonferenzSolarenergie für Afrika“ Anfang September in Düsseldorf ebenso wie die Projekte im Tschad, in Nigeria, im Kongo und neuerdings auch in Madagaskar. Es steht fest, dass wir vieles nicht schaffen würden, wenn wir nicht mit unserem Heinz Rothenpieler einen Mitstreiter hätten, der mit ganzem Einsatz und auf der Basis jahrelanger Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit die Betreuer der einzelnen Projekte im Vorstand sehr entlastet. Neben dieser projektbezogenen Arbeit bewältigt H. Rothenpieler ein beachtliches Bildungsprogramm im Inland. Gerade diese Einnahmen ermöglichen es LHL überhaupt, eine Stelle für einen Angestellten bereitzustellen. Allen Mitgliedern im Vorstand ist es ein großes Bedürfnis, H. Rothenpieler für seine so wertvolle Arbeit zu danken.

Jeder wird verstehen, wenn wir nicht zufrieden sind, mit der Zahl der Mitglieder, die wir gern verdoppeln würden, um ein wenig mehr finanzielle Verfügungsmasse für die täglichen Dinge zu haben. Die Mitglieder des Vorstandes arbeiten nicht nur ehrenamtlich, sie tragen auch die meisten Kosten z.B. für Reisen usw. selbst. Darum geht es auch nicht. Die zusätzlichen Einnahmen würden uns helfen, das ohnehin kärgliche Gehalt unseres angestellten Mitarbeiters etwas aufzubessern.

Einer der folgenden Artikel gibt uns einen Einblick in diese Art von Öffentlichkeitsarbeit, die wichtig ist, um möglichst vielen zu vermitteln, dass unsere üppige Lebensweise zu einem nicht geringen Teil nur möglich ist, weil wir von Europa aus die Welt und die Menschen ausbeuten.

Dieser Rundbrief vermittelt Ihnen einen Eindruck von den so verschiedenartigen Aktivitäten im Verein. Den Beginn macht ein Bericht über Situation im Tschad und die Entwicklungen beim Partnerverein JARABE. Dort ist in der letzten Novemberwoche das Projekt „Herstellung und Nutzung von Kompost“ zuende gegangen.

Es folgen Berichte und Einschätzungen aus Nigeria. Unser Partner DARE hat mit seinem SAVE80-Projekt in diesem Jahr die wesentlichen Hürden genommen, so dass wir nun endlich davon ausgehen können, dass sich das Projekt wunschgemäß entwickeln kann.

Neben dem SAVE80 Projekt gibt es noch den handfesten Versuch, in Kaduna eine Ausbildungsstätte für Solartechniker einzurichten. Dies ist das Anliegen von A. Milz, der in diesen Tagen zum zweiten Mal in Kaduna weilt, gemeinsam mit M. Cauzard, um die Lage vor Ort zu erkunden und die entsprechenden Weichen zu stellen.

Auch aus dem Kongo lassen sich bedeutende Entwicklungen berichten. Zwar hat esbeim Aufforstungsprojekt unerfreuliche Entwicklungen ergeben, die vor allem durch die unsichere politische Lage verursacht wurden, aber wir können davon ausgehen,dass jetzt das Projekt wieder Fahrt aufnehmen wird. H. Rothenpieler betreut dieses Projekt schon seit mehreren Jahren.

Und dann gibt es das von I. Freimark-Zeuch gemeinsam mit Herrn Konda angeschobene Projekt in Kilueka südlich von der Hauptstadt Kinshasa. Der Bericht zeigt deutlich, wie ganz anders die täglichen Herausforderungen der Menschen dort sind.

Über Bernd Blaschke ist die Eine-Welt-Gruppe der Thomas-Gemeinde in Düsseldorf mit ihrem Madagaskar-Projekt zu LHL gestoßen. Dort geht es um ähnliche Anliegen wie auch in Kilueka und auch im Tschad. Und unser neues Mitglied Chantal Kloecker hat intensive Kontakte zu Togo, evtl. wächst da eine neue Aufgabe heran.


Die Vielzahl der Projekte mit den dort sich engagierenden Personen lässt sich durchdiese Berichte nur unvollständig darstellen.

Wer Genaueres wissen möchte, rufe die Mitglieder des Vorstandes an. Wir geben alle gern Auskunft. Uns ist wichtig, dass unsere Arbeit vollständig transparent bleibt. Nur so können wir auch Vertrauen gewinnen und behalten bei denen, die uns tatkräftig und durch Geldspenden unterstützen.

Nur wer die Herzen bewegt, bewegt die Welt. Wir hoffen, dass wir mit diesem etwas ausführlicheren Rundbrief Ihre Herzen bewegen können. Freuen Sie sich mit uns über das Erreichte und bleiben Sie weiterhin an unserer Seite.

Für den Vorstand:  Jürgen Marquardt



TSCHAD

Neues von unserem Partnerverein JARABE in Benoye.

Der Verein JARABE betreibt mehrere Schulen.

Den Anfang machte das COLLÈGE de l’AMITIÉ in Benoye, welches von Spendengeldern aus Deutschland gebaut wurde und seit Beginn im Jahre 1995 von LHL dadurch gefördert wird, dass wir jeweils etwa die Hälfte der Schulgebühren für die Schülerinnen übernehmen, was jedes Jahr etwa EUR 1.500 beträgt. In den ersten Jahren hob sich das Collège u.a. durch den hohen Prozentsatz von Mädchen von den anderen Schulen in der Region ab. Es wird nicht verwundern, dass regelmäßig die Mädchen zu den besten bei den Abschlussprüfungen gehören.

Auf vielfaches Drängen von Eltern eröffnete JARABE vor etwa 6 Jahren eine gymnasiale Oberstufe, das LYCÉE de l’AMITIÉ, dieses Mal allerdings in der benachbarten Großstadt Moundou wegen der dort bedeutend besseren Bedingungen. In diesem Jahr erhielten wir die überaus erfreuliche Mitteilung, dass das Lycée bei den Abschlussprüfungen zum Abitur landesweit die höchste Erfolgsquote zu verzeichnen hat. Dies macht deutlich, dass Milisor Kourkaou und seine Kollegen Wert darauf legen, dass ein qualitätsvoller Unterricht erteilt wird und nicht gute Zensuren durch Bestechung gegeben werden. Wir gratulieren den Kolleginnen und Kollegen am Lycée zu ihrer wirklich herausragenden Leistung.

Leider sind nicht alle Eltern so qualitätsbewusst. Überraschenderweise ist die Zahl der Schüler am Collège in Benoye auf 30 gesunken, während die Zahl der Mädchen konstant geblieben ist bei 118. Natürlich hat sich die wirtschaftliche Lage vieler Familien deutlich verschlechtert, was als Erklärung dienen könnte, denn es gibt keine Schule, die nicht Schulgeld erhebt. Auf Nachfrage erläuterte Milisor Kourkaou, der Koordinator von JARABE, dass sich viele weitere Collèges in der Region gegründet hätten, die aber wenig Wert legen auf qualitätsvollen Unterricht und zielgerichtete Vorbereitung auf die Prüfungen. Wenn das Collège genügend Schülerinnen und Schüler behalten will, um die Lehrkräfte und die laufenden Kosten bestreiten zu können, muss die Schule noch attraktiver gemacht werden. Zwar gilt schon jetzt das Collège wegen seiner Ausstattung als Modellschule, aber offenbar noch nicht attraktiv genug. Milisor träumt davon, auch an dieser Schule einige PCs einsetzen zu können, um praktischen Unterricht für spätere Bürotätigkeiten anbieten zu können. Was bei uns selbstverständlich ist, findet man im Tschad nur in den vielleicht drei größten Städten an einigen Schulen. Wir werden versuchen, gemeinsam Lösungen für diesen Wunsch zu finden.

JARABE ist zum wichtigsten Verein für das kulturelle Leben der ganzen Region geworden. Vor allem sein Koordinator Milisor Kourkaou äußerte schon vor Jahren den dringenden Wunsch, ein eigenes regionales Radio einzurichten. Es ist JARABE gelungen, Gelder aus einem Programm der Weltbank dafür zu erhalten. Da am Schluss doch noch Geld fehlte, u.a. für die Zollgebühren, zögerte sich der Beginn der Sendungen hinaus. In seiner letzten Email teilte Milisor mit, dass man nun in der letzten Phase der Einrichtungen stecke und möglicherweise noch vor Jahresende die ersten Sendungen ausgestrahlt werden können. LHL hat bei diesem Projekt weder Pate gestanden noch finanzielle Unterstützung leisten können. Wir stehen staunend vor diesem Kraftakt und können nur hoffen und wünschen, dass dieses so wichtige Projekt nachhaltig betrieben werden kann und somit hilft, die vielen wichtigen Informationen und Ratschläge möglichst vielen Menschen zukommen zu  lassen, von denen die meisten Analphabeten sind, die weder jemals eine Schule besuchen konnten noch der Amtssprache, der französischen Sprache, mächtig sind.

Wie bedeutsam JARABE und Benoye mittlerweile für die Region geworden sind, lässt sich erkennen an den Teilnehmerzahlen


Bild: Die erste Gruppe von Teilnehmern an der Schulung zur Kompostnutzung in N’Djamena im Februar 2010 – links im weißen Anzug Dipl.-Agraring. Diop, rechts am Rand Fatime Kourkaou

eines Wochenendes im Oktober. Fatime, die Ehefrau von Milisor, die auch in einer regionalen Frauenorganisation leitend tätig ist, hatte zu einem Wochenende nur für Frauen eingeladen, auf dem u.a. das im Frühjahr begonnene Projekt der Herstellung und Nutzung von Kompost vorgestellt wurde. Wenn man den miserablen Zustand der Straßen und die geringen Möglichkeiten zu reisen bedenkt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass die Zahl der Teilnehmerinnen etwa 1.500 betrug. Abdallah Diop aus N’Djamena, der als Dipl.Agraringenieur die Schulungen leitet, konnte leider selbst nicht teilnehmen, weil an einem Tag ein älterer Bruder und ein Vetter starben. In der letzten Novemberwoche konnte er aber den zweiten Teil der Schulung in Moundou wie auch in Benoye leiten. Das ganze Projekt wurde gemeinsam mit unseren französischen Partnern von Appel Essonne vorbereitet und durch einen Zuschuss von EUR 2.100 von der niedersächsischen Bingostiftung ermöglicht.

Wir sind sehr zufrieden, dass vielen Kleinbauern eine Möglichkeit eröffnet wurde, ohne chemische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel ihre mageren Erträge auf ausgelaugten Böden zu erhöhen.

Zum Schluss möchten wir den Wunsch äußern können, dass die politische Lage im Lande ruhig bleibt. Es finden in diesen Tagen wiederum Kommunalwahlen und im kommenden Frühjahr die Wahl des Präsidenten statt. Wenn auch alles diese Wahlen nicht beanspruchen können, demokratischen Spielregeln zu genügen, so ist es unbedingt wichtig, dass es nicht zu Unruhen und zu Blutvergießen kommt. Erst wenn sich ein breiter Mittelstand gebildet hat, wird sich die politische Lage im Lande ändern. Aber dieser Tag ist noch nicht abzusehen.

Für unsere Vorhaben benötigen wir Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk: „Tschad“

Jürgen Marquardt


Bild: Der neue Brunnen beim Collège, der aus Spendengeldern vom Lilienthal-Gymnasium in Berlin gebaut werden konnte.


NIGERIA

Zwei weitere wichtige Schritte in unserem Projekt holzsparender Öfen sind getan: Der TÜV-Nord war im September 2010 vor Ort in doppelter Mission: einmal um zu prüfen, ob die von uns in Anspruch genommenen Emissionsminderungen auch reell sind (Verification visit). Zwar liegt uns die endgültige Stellungnahme des TÜV noch nicht vor, aber die in der vorläufigen Stellungnahme benannten kleinen Mängel wurden alle beseitigt. Wir rechnen mit der Veröffentlichung des Prüfberichtes für Dezember und mit der Zuteilung der ersten Emissionsminderungszertifikate (CERs) für das erste Quartalsende 2011. Die CERs gehen an Atmosfair; damit beginnt die Tilgung der von Atmosfair für die Beschaffung der Kocher vorgeschossenen Mittel.

Der zweite Zweck des TÜV-Besuches gehörte in den Rahmen der der Erweiterung des Projektes auf ganz Nigeria im Sinne eines „Programme of Activities“ (PoA). Hier wird DARE nicht allein tätig werden, sondern im Verein mit Partnern. Ziel dieses Besuches war zu überprüfen, ob das im Projekt-Design-Document schriftlich festgelegte Verfahren wie beschrieben auch in der Praxis abläuft. Inzwischen ist der Prüfbericht im Internet zugänglich, siehe hier



Bild: TÜV-Mitarbeiter und Konferenzteilnehmer der Stakeholder-Konferenz zum PoA (Sept.2010) .

Dieser Bericht zu unserem Projekt ist auf der Netzseite von atmosfair nachzulesen:

Bis zur Registrierung des erweiterten Programms wird es noch ca. 3 Monate dauern.

Zur Erinnerung: Im Osterrundbrief 2010 hatten wir berichtet, dass das laufende Projekt in der Guinea-Savannenzone am 12. Oktober 2009 vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen unter der Nummer 2711 registriert wurde. Damit ist unser Nigeria-Projekt das weltweit erste, das CDM-Mittel für den Einsatz von holzsparenden Kochherden erhält. Am 15. Januar 2010 folgte die Registrierung durch die Goldstandardorganisation unter der Nummer 411. Das Projekt erfüllt damit zusätzliche Qualitätsanforderungen, die über den Klimaschutz hinausgehen (Schaffung neuer Arbeitsplätze, Verbesserung der Gesundheit, Möglichkeit einer Nebenerwerbstätigkeit etc.).

Dieser Erfolg hatte neben viel Freude (und ein Schuss Euphorie) auch einen neuen Containerauftrag ausgelöst und im Januar 2010 konnten wir den 3. Container in Kaduna begrüßen. Was sich hier so locker liest war in der Realität dann doch wieder quälend langes Warten mit der Gefahr, dass mangels Masse die Angestellten kündigen und sich einen bezahlten Job suchen (müssen).


Bild: Yahaya auf dem neuen Grundstück vor dem neuen Büro, im Hintergrund unser Firmen-Berlingo

Trotz der zahlreichen Probleme haben DARE und wir von LHL uns nicht unterkriegen lassen, haben Pläne geschmiedet und den Blick nach vorne gerichtet. Dazu gehörte auch die Erkenntnis, dass das erste Büro in Kaduna längst zu klein geworden war und sich Yahaya auf die Suche nach einem neuen Büro machen musste und dabei auch fündig wurde. In der Zeit vom Nov. 09 bis Jan. 10 fand der Umzug und Einzug statt, wobei viele Renovierungsarbeiten durchgeführt werden mussten, meistens mit eigenen Kräften. Da passte es gut, dass Ende Januar das neue Büro (mit großem Freigelände) bezugsfertig war und zeitgleich der nächste Container eintraf.

Einige Mitarbeiter hatten uns verlassen, weil infolge der verzögerten Container-Auslieferung DARE über keine Einnahmen verfügte und keine Gehälter mehr zahlen konnte; neue mussten eingearbeitet werden. Berichtenswert ist hierbei das Interesse der Universität von Oyo State, die in einer groß angelegten Untersuchung erforschen wollen, wie sich die Situation in einem Dorf verändert, wenn alle Dorfbesitzer mit dem SAVE80 kochen. Für unsere Leute hieß das erst einmal, 225 Kocher in das ca. 1000 km entfernte Dorf zu bringen, montieren, vorführen und die Uni-Assistenten einzuarbeiten. Ende des Jahres erwarten wir den Abschlussbericht und der verantwortliche Professor Adesina hat schon angedeutet, dass diese Untersuchung mit neuen Dörfern fortgeführt werden soll. Wir sind neugierig auf die geplante Veröffentlichung.

Unser nigerianischer Partner hatte inzwischen die Bekanntheit unseres Sparkochers durch vielfältige Aktionen erheblich steigern können mit dem Ergebnis, dass nun schon Interessenten in unser Verkaufsbüro kommen, um sich den SAVE80 anzuschauen und vereinzelt kommt es dann auch zu einem Verkaufsgeschäft (am liebsten Barkauf, meist aber Ratenkauf). Aber auch von weiter her erreichen uns Anrufe von Dorfgeistlichen oder Bürgermeistern, die um einen Besuch mit Vorführung bitten, weil in der Nachbargemeinde die Frauen von unserem Holzsparkocher so begeistert erzählen. Dabei kommt uns ein wenig das Wetter zur Hilfe, denn es regnete außergewöhnlich viel und lange in diesem Jahr mit dem Ergebnis, dass das gekaufte Holz total durchnässt ist und mehr qualmt als brennt. Die kleine Holzmenge hingegen, die unser S80 benötigt, kann überall gesammelt und auch unter dem Dach getrocknet und gelagert werden, und da unser Herd prinzipiell das Holz besser verbrennt, qualmt er kaum und kann gut in Innenräumen genutzt werden.

Im Juni hat unser Partner Yahaya uns in Deutschland besucht und mit ihm zusammen haben wir atmosfair einen Besuch in Berlin abgestattet. Ein wichtiges Thema war die Frage, wie wir die Schlagkraft erhöhen könnten. Das Ergebnis unseres Gesprächs: atmosfair wird neue Distributoren suchen und DARE hat bereits seine Fühler nach Partnern ausgestreckt, denn das Land ist für eine NGO zu groß. Es gibt bereits eine Reihe von Interessenten und die aussichtsreichsten erhalten aus dem nächsten Container Musterkocher, um damit in die Werbephase zu gehen. Wir werden dann sehen, wann die erste größere Bestellung erfolgt, wir haben uns zusammen mit DARE jedenfalls ehrgeizige Ziele gesetzt: 10.000 Kocher in den nächsten zwei Jahren. Und für die benachbarten Regionen haben wir bereits Kontakte zu Partnern aufgenommen, die mit DARE eng zusammenarbeiten wollen.


                                      Bild: Unser Treffen im Büro von atmosfair

Ein zweites Thema war die Frage nach der Bestellung des nächsten Containers und hier haben wir ebenfalls schnell ein gutes Ergebnis erzielt: Sofort, d.h. aus der Besprechung heraus erfolgte ein Anruf bei unserem Lieferanten. Und wenn Sie diesen Brief in den Händen halten schwimmt unser Container schon vor Afrikas Küste und wir hoffen, dass eine neue Spedition mit Afrika-Erfahrung die Auslieferung in Kaduna noch vor Weihnachten erreichen kann. Yahaya hat mit seinen Leuten gute Vorarbeit geleistet und etwa 500 Interessenten stehen bereits auf unserer Vormerkliste. Zudem gehen unsere Pläne über den reinen Verkauf hinaus, z.B. ist geplant, einen Teil des Herstellungsprozesses nach Nigeria zu verlagern. Unsere Werkstatt erhält als ersten Schritt eine Biegevorrichtung, um damit die Außenbleche zu biegen. Dies bringt zwei Vorteile: zwei Arbeitsplätze in der nigerianischen Werkstatt und mehr Platz im Container (ein flaches Blech benötigt weniger Platz als ein gebogenes). Aber wir wollen mehr: ein Ausstellungsraum mit angeschlossenem Seminarraum für Solartechnik, denn sowohl Solartrockner als auch Solar-Boxkocher sind Geräte, die man gut in Nigeria herstellen und vermarkten kann. Bei der Herstellung wollen wir unsere Werkstatt


                              Bild: Mitarbeiter von DARE vor der neuen PV-Anlage

einbeziehen und im Seminarraum werden Workshops durchgeführt, um die Vorteile zu

erläutern und die Nutzung zu demonstrieren. Auf dem Gelände wachsen inzwischen Moringa-Bäume und Jatropha-Hecken.Um vernünftig arbeiten zu können verlassen sich die meisten Nigerianer nicht auf das Stromnetz, sondern besitzen einen eigenen Dieselgenerator. DARE hat sich gegen die stinkenden Krachmacher entschieden, um die Umwelt weniger zu belasten. Dazu wurde eine größere Solaranlage installiert, deren Teile zwar größtenteils aus dem Ausland kommen, aber das Gestell und der Aufbau wurden mit eigenen Leuten bewerkstelligt.


Bild: Unser Mitglied A. Milz (re.) mit Solarlampe.

Bereits im fortgeschrittenen Zustand befindet sich die Idee, eine Ausbildungswerkstatt für Solartechniker einzurichten. Unser Mitglied A. Milz hat vor Jahren eine kleine Selbstbaulampe für seine Tuareg-Freunde entwickelt, die er jetzt verbessert nach Nigeria importieren möchte. Mit einem Koffer voller Werkzeug und Material für 20 Selbstbaulampen reist er mit M. Cauzard Ende 2010, im November nach Nigeria um dort den ersten Baukurs durchzuführen.

Hierzu und für unsere anderen Vorhaben benötigen wir Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk „Nigeria“

Bernd Blaschke, Dr. Paul Krämer


DER LEUMUND VON CDM

In den letzten Wochen gab es mehrfach Presseberichte, die sich zu recht äußerst kritisch zu CDM-Projekten – insbesondere in China und Indien - äußerten. Zudem hat der BUND in einer Reihe von Kreisverbänden Vortragsveranstaltungen in diesem Sinne durchgeführt.

Die Kritik beruft sich häufig auf Veröffentlichungen wie „Klimaziele zu Hause erreichen oder wo es am billigsten ist? Der Clean Development Mechanism« als klimaregimeinterner Investitionsmittelgenerator“ von Hans-Jochen Luhmann und Wolfgang Sterk vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH sowie auf den Bericht, der 2007 von Lambert Schneider (Öko-Institut) im Auftrag des WWF erstellt wurde unter dem Titel: Is the CDM fulfilling its environmental and sustainable development objectives? An evaluation of the CDM and options for improvement“.

Darum ist es besonders interessant, dass in der Nummer 12/2010 des Magazins GEO ein kritischer Artikel unter dem Titel „Die Luftnummer“ veröffentlicht wurde. Darin ist auch das von RWE finanzierte Projekt von Holzsparherden in Sambia erwähnt. RWE selbst hatte vorgeschlagen, das Projekt in Sambia zu besuchen. Es verwendet denselben Herdtyp wie wir in Nigeria. In dem GEO-Artikel ist es faktisch der einzige Lichtblick, aber es ist ein gedämpftes Licht. Der dabei getriebene Aufwand ist enorm. 140 Kontrolleure überwachen die sachgerechte Nutzung der Herde. Zu dem Zweck werden die Standorte aller 30,000 Kocher per GPS erfasst. Im Gegensatz dazu kann man den Kontrollaufwand als minimal bezeichnen, der für unsere Herde gefordert wird. Etwa fünf Personen, ausgestattet mit Protokollformular und Kamera, besuchen 100 ausgewählte Familien und sind dafür ca. 4 Wochen unterwegs.

Die übrigen im Artikel genannten CDM-Projekte stellen sich dagegen als schädlich heraus. Kann man daraus schließen, dass CDM eine Fehlkonstruktion ist? Manche tun dies. Allerdings sollte das Interview mit Lambert Schneider zu denken geben, das in derselben Nummer von GEO unter dem Titel Erhebliche Anfangsprobleme“ abgedruckt ist. Die Aufnahme von Wäldern in den CO2-Handel hält Schneider nicht für zweckdienlich. Schneider ist inzwischen beim UNFCCC beschäftigt, weil er etwas verändern will. „Jetzt haben wir den Emissionshandel als eines der wichtigsten Instrumente zum Klimaschutz, und der muss stark verbessert werden. Dazu will ich beim UNKlimasekretariat beitragen“, so Schneider.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man beim UNFCCC froh ist, auf unser Projekt verweisen zu können (Dr. Paul Krämer)


OSTKONGO

Im Ostkongo gingen in diesem Jahr die Aufforstungsmaßnahmen in Kamisimbi, Mushenyi und in der Nähe von Uvira weiter.

Neu hinzugekommen ist ein kleines „Dorfwälderprojekt“, durch welches in 10 verschiedenen Dörfern Baumschulen angelegt und jeweils zwischen 2 und 5 ha Flächen aufgeforstet werden sollen. Schön wäre, wir könnten den Frauen in Burhinyi ein Fortbildungsseminar für Gartenbau fördern. Burhinyi gehört zu den Ortschaften im Ostkongo, in denen die Landwirtschaft unterentwickelt


Bild: Kinder im Waldkindergarten von Mushenyi

ist. Viele Menschen haben nicht genug zu Essen. Zum Teil ist das ein Bildungsproblem. Deswegen lohnen sich solche Ausbildungsseminare. Aber die Frauen können nur teilnehmen, wenn sie einen Ausgleich für ihren Einnahmeausfall in dieser Zeit erhalten... Am Standort unserer Aufforstung in Mushenyi hat das Deutsche Rote Kreuz auf Rügen zudem die Gründung eines „Waldkindergartens“ gefördert, dank unseres Mitglieds Andreas Bachmann, der Vorsitzender des Roten Kreuzes auf Rügen ist und mit Heinz Rothenpieler vor zwei Jahren den Kongo und Mushenyi besucht hat.


Jetzt lernen die Kinder und Jugendlichen dort die Natur sehr viel besser kennen als zuvor.

Hierzu und für unsere anderen Vorhaben benötigen wir Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk: „Ostkongo“

Heinz Rothenpieler

INTERVIEW MIT DER OSTSEEZEITUNG

Auf Rügen zieht das Projekt „Kreise“ und deswegen hat vor einigen Tagen die „Ostseezeitung“ (OZ) ein Interview mit Heinz Rothenpieler (H.R.) geführt. Hier einige der Fragen:

OZ: Herr Rothenpieler, die Menschen im Kongo liegen Ihnen und der Hilfsorganisation Lernen-Helfen-Leben sehr am Herzen. Warum?

H.R.: Afrika gilt als der "vergessene Kontinent", besonders der Kongo. Das Land hatte jahrelang Krieg. Die frühere amerikanische Außenministerin Albright sprach vom "3.Weltkrieg in Afrika", mit über 4 Mio. Toten. Dies ist in Europa kaum wahrgenommen worden oder nur als "Bürgerkrieg", was dies aber nicht war. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit den Menschen dort und versuchen den Ärmsten zu helfen durch Mikrokredite, Integration ehemaliger Kindersoldaten, mit holzsparenden Öfen, Aufforstung und vielen anderen Projekten. Der Kongo gehört - trotz Rohstoffreichtum - zu den ärmsten Ländern der Welt und hat laut Index der Welthungerhilfe weltweit die meisten Menschen, die nicht genug zu essen haben.

Die weltweite Jagd nach Rohstoffen hinterlässt auch im Kongo Tag für Tag ihre blutige Spur. Für die USA gehört das "Herz Afrikas" zu den gefährlichsten Regionen der Welt. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit sich das ändert?

H.R: Besonders im Kriegsgebiet, im Osten des Landes, finden sich viele seltene Rohstoffe, z.B. das Coltan, das seit den 90er Jahren für Mobiltelephone benötigt wurde. So wie die Damen nicht gerne "Blutdiamanten" um den Hals tragen, sollten wir auch nicht länger zulassen, dass Rohstoffe rücksichtslos und illegal ausgeplündert werden, ohne dass die Bevölkerung etwas davon hat. Die Bewohner der Demokratien müssen hier wachsamer sein! Im Kongo selbst muss erstens das Justizsystem gestärkt werden. Ein Hauptproblem ist die Straflosigkeit.

Zweitens muss die staatliche Korruption bekämpft werden, die seit der jahrzehntelangen Mobutudiktatur nach der Ermordung Lumumbas dem Land großen Schaden zufügt. Inzwischen können wenigstens in Deutschland die Konzerne Schmiergelder in Drittweltländern nicht mehr von den Steuern absetzen, wie das vor ein paar Jahren noch gang und gebe war.

Drittens muss die Demokratie gestärkt werden. Das demokratisch gewählte nationale Parlament und die Regionalparlamente zeigen was möglich ist, wenn sich die Demokratie festigt. Leider wurden bisher noch nie Kommunalwahlen durchgeführt, sodass hier immer noch ernannte Personen das Sagen haben. Eine große Hoffnung ist die starke Zivilgesellschaft mit ganz vielen Vereinen und Genossenschaften. Schließlich müssen Konsequenzen aus den UNO Untersuchungen gezogen werden, die der internationalen Staatengemeinschaft zahlreiche Empfehlungen für ihre Kongopolitik gegeben haben.

OZ: Was berührt Sie besonders, wenn Sie bei Besuchen in Afrika konkret mit den Problemen konfrontiert werden?

H.R.: In den großen Städten ist die häufige Begegnung mit Bettlern nicht einfach, die natürlich ahnen, dass alle Weiße Geld in der Tasche haben. Von mir bekamen immer grundsätzlich behinderte Menschen und Kriegsversehrte etwas, weil für sie meist nicht gesorgt ist. Ansonsten ist oft die Armut sehr groß. Immer wieder überwältigend ist zu sehen, dass die Menschen trotzdem ihr Lachen nicht verloren haben, fröhlich sind, hilfsbereit und gerne ihr Weniges mit dem Gast teilen wollen. Eine Frauengruppe, welche von uns Mikrokredite bekommen hatte, wollte mir unbedingt vier oder fünf Taschen voller Früchte ihrer Gärten schenken, was mich sehr in Verlegenheit brachte. Die Lösung war, dass ich sagte, ich würde jetzt zwar gerne mit ihnen ein Fest feiern und dann könnten wir dies alles gemeinsam verzehren. Leider könne ich nicht mitfeiern, weil noch andere Gruppen auf mich warteten. So bat ich sie, alleine, ohne mich, mit diesen Früchten ein Fest zu feiern und gab ihnen dies zurück. Das wurde sofort akzeptiert, der Jubel war groß.

OZ: Auch Rüganer kümmern sich als Paten eines Projekts um Kinder im Osten der Republik Kongo. Diese Zuwendungen für den kleinen Waldkindergarten dürften zwar nur der "Tropfen auf den heißen Stein" sein. Dennoch kann auch mit kleinen Spenden viel bewirkt werden. Könnten Sie ein paar Beispiele nennen?

H.R.: Für den Waldkindergarten in Mushenyi ist die Unterstützung kein "Tropfen auf den heißen Stein", sondern eine substantielle Förderung für Kinder und Jugendliche. Niemand sonst kümmert sich um sie, viele der älteren können nicht zur Schule gehen, weil Schulgeld fehlt. Diese Kinder sind für uns aber in Zukunft sehr wichtig, weil wir dort ein großes Aufforstungsprojekt haben. Die Kinder sollen lernen, diesen Wald und die Natur zu beschützen und zu bewahren, den Pflanzenreichtum und ihre Nutzung kennenlernen. Sie legen kleine Gärten an usw. Im gleichen Ort fördern wir seit Jahren eine Schreinerwerkstatt und eine Bäckerei für ehemalige Kindersoldaten, die dadurch resozialisiert werden und einen Beruf erlernen. Anfang dieses Jahres wurde dort übrigens der erste holzsparende Lorena-Backofen installiert. Viele Haushalte in Mushenyi kochen inzwischen ebenfalls auf holzsparenden, raucharmen Öfen. 90 % der Menschen südlich der Sahara kochen mit Holz, für dessen Suche viel Zeit draufgeht oder für das Geld bezahlt werden muss.

OZ: Wie bewerten Sie das Engagement der Rüganer?

H.R.: Ein Projekt im fernen Afrika ist für das Rote Kreuz auf Rügen eine ideale Ergänzung. Wir leben alle in der EINEN WELT und können nicht die Augen verschließen vor Problemen, die oft erst durch die Industrieländer in den Entwicklungsländern verursacht wurden. Deshalb freut mich sehr, dass dieser Waldkindergarten auf Rügen solch eine breite Resonanz gefunden hat, sodass die Anschubfinanzierung gesichert ist. Das Rote Kreuz kümmert sich natürlich weiterhin in erster Linie um die Rüganer, ist aber gleichzeitig eine weltweite Bewegung und deshalb macht Sinn, dies auch durch solch ein Projekt sichtbar werden zu lassen. Der Kongo ist ein wunderschönes Land. Die Gegend um den Kivusee wurde früher als die "Schweiz Afrikas" bezeichnet. Das Land hat über ein Dutzend von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestufte Nationalparks. In den Virungabergen leben die letzten Berggorillas. Aufgrund ihrer Armut können die Menschen alleine diese Naturschönheiten nicht bewahren. Hier muss die internationale Gemeinschaft helfen. Vielen Dank, dass die Rüganer in einem kleinen Dorf im Ostkongo solch ein Zeichen der Hoffnung setzen!


KONGO – KILUEKA


Bild: Feldarbeit auf dem eigenen Grundstück:

2008 begannen Herr Konda und ich ein Projekt in seinem Heimatdorf Kilueka, 150 km südlich von Kinshasa in der Dem. Rep. Kongo. 20 Frauen und 5 Männer aus 10 Dörfern schlossen sich zusammen um einen Verein zu gründen. Der Verein heißt „Songanzila e.V.“, das bedeutet „Den Weg zeigen“. Alle Mitglieder sind Multiplikatoren, die ihr Wissen in ihren Dörfern und Umgebung weitergeben.

Sie bekamen 3000 qm Land, das aber zuerst nach und nach urbar gemacht werden musste. Inzwischen wachsen Maniok, Bananen und die Heilpflanze Artemisia, deren Tee bei Malaria hilft. Die Frauen haben jetzt mehrere Moringabäume frisch gepflanzt. Die proteinreichen Blätter dieses Baumes können geerntet und als Spinat gekocht werden. Das ist eine wunderbare Nahrungsergänzung bei Mangelernährung von Kindern! Wir würden auch gerne noch verschiedene Obstbäume pflanzen.

Das Multifunktionshaus, das zwar dem Verein gehört aber von der gesamten Bevölkerung genutzt werden kann, ist fast fertig. Es fehlt noch die Inneneinrichtung. Hier finden Seminare zu Gesundheit, Ernährung, Mangelernährung bei Kindern, Hygiene, Umweltprobleme, Abholzung, etc. statt. Unser Ziel ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ ohne Abhängigkeit.

In der Gegend rund um Kilueka lebt die Bevölkerung fast ausschließlich vom Ackerbau. Es werden hauptsächlich Maniok, Erdnüsse, Mais, Sesam und etwas Gemüse angebaut, alles in mühsamer Handarbeit. Die wichtigsten Werkzeuge sind die Hacke, das Buschmesser und manchmal ein Spaten. Bis heute wird hier fast alles auf dem Kopf transportiert. Oft werden so über 40 kg mehr als 15 km weit getragen! Es gibt nur vereinzelt Fahrräder, die dann auch meistens für den Transport genutzt werden.

Auch wenn man sich das in Kilueka nicht vorstellen kann, so ist nur etwa 120 km weit entfernt die Feldarbeit mit Rindern schon seit der Kolonialzeit bekannt und Handwerker stellen vor Ort das Material und Zubehör für das Gespann, den Pflug und den Karren her. Der Ackerbau ist eine mühsame und harte Arbeit. Wenn eine Frau ein Feld von 1 Hektar alleine bestellen würde, so bräuchte sie dafür mit der Hacke 100 Tage! Werden Rinder für die Feldarbeit eingesetzt, dann ist ein Feld von 1 ha in 2-3 Tagen bestellt!!! Ein Karren, der von Ochsen gezogen wird, kann mühelos eine halbe Tonne über mehrere Kilometer transportieren! Jetzt muss nur noch die Erfahrung der Feldarbeit mit Rindern nach Kilueka gebracht werden!

Zusammen mit der Eine-Welt-Gruppe Lippetal haben wir 2 Ochsen gekauft. Schon bald sollen sie in Kilueka zusammen mit 2 Männern aus dem Dorf für die Feldarbeit ausgebildet werden. Nutznießer wird der Frauenverein sein, aber die ganze Gegend wird davon profitieren.

Augustin Konda lebt mit seiner Familie in einem armen Vorort von Kinshasa, ganz in der Nähe seines kleinen Gesundheitszentrums.

Die kleine Solaranlage, die ich letztes Jahr mitgenommen hatte, leistet wirklich gute Dienste!


                       Bild: Besuch einer Frauengruppe in Kilueka

Sie reicht aus, dass keine Geburten mehr im Dunkeln stattfinden, sondern im Schein der LED’s! Es gibt in Kinshasa nirgendwo ausreichend Strom. Jetzt haben in diesem Vorort vor ein paar Wochen auch noch zwei Stromgeneratoren gebrannt. Das bedeutet, dass es jetzt noch weniger und noch seltener Strom gibt! Wie gut, dass dann wenigstens im Gesundheitszentrum die LED’s trotzdem leuchten!

Viele Frauen bringen ihre Kinder in diesem Gesundheitszentrum zur Welt. Immer wieder gibt es aber Mütter, die leider eine medizinische Versorgung, z.B. 15 USD für eine  Geburt mit Nachsorge nicht bezahlen können. Das ist wirklich eine schwierige Situation für das Personal, weil sie eigentlich keine schwangere Frau abweisen und diese halt dann trotzdem versorgen. Wenn es ein Budget für solche Fälle gäbe, wäre das eine große Erleichterung.

Im September 2010 war Augustin Konda für 2 Wochen hier im Lippetal und Umgebung zu Gast. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die in irgendeiner Weise für einen abwechslungsreichen Aufenthalt beigetragen haben! Das gegenseitige Kennenlernen war schon sehr wichtig, auch für das Gelingen der verschiedenen Projekte.

Wir hoffen sehr, dass wir noch ein paar Spender finden und dann auch das Rinderprojekt realisieren können, denn ein Ochsengespann ist ein riesiger Fortschritt für diese Gegend! Für das Multifunktionshaus würden wir gerne die Inneneinrichtung vor Ort kaufen oder bauen lassen. Außerdem möchten wir noch verschiedene Obstbäume anpflanzen um einmal der einseitigen Ernährung entgegenzuwirken, aber auch um gegen die starke Abholzung anzugehen. Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig Obstbäume für die Ernährung sind und dass sie nicht mehr für wenig Geld gefällt und als Brennholz verkauft werden sollen! Bis heute kann man sich in Kinshasa nicht auf regelmäßigen und ausreichenden Strom verlassen. Zum Kochen benutzt die 10 Millionenmetropole hauptsächlich Holz und Holzkohle aus dem Bas-Conga, also aus der Gegend um Kilueka!

Hierzu und für unsere anderen Vorhaben benötigen wir Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk: „Kongo-Kilueka“

Herzlichen Dank und viele Grüße auch aus Kilueka und von Augustin Konda aus dem Kongo!

Irène Freimark-Zeuch

Info: www.l-h-l.org .. Projekte .. Kongo /West

Lernen-Helfen-Leben e,V., Volksbank

Vechta e.G., Konto 135875808, BLZ

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MADAGASKAR

Das Projekt in Madagaskar hat die Ökumenische Umweltgruppe der Thomas- und St. Franziskuskirche in Düsseldorf-Mörsenbroich 2003 begonnen und bisher sind wir von InWent NRW unterstützt worden. Seit 2009 ist die Thomaskirchengemeinde Mitglied von L-H-L und damit wird auch unser Projekt in Madagaskar als L-HL-Projekt geführt. Unter dem offizielle Titel Ländliches Entwicklungsprogramm Andalamengoke“ wurden eine Vielzahl kleinerer Projekte realisiert, nicht alle im ersten Anlauf, aber in vielen kleinen Schritten wurde eine Schule gebaut (die jetzt schon 8 Klassenräume umfasst), die Renovierung des Schulgebäudes bzw. Reparatur von Schulmöbeln durchgeführt, ein Brunnen einschl. der Errichtung eines Trinkwasserbehälters und Verlegung einer Wasserleitung mit Einsatz einer Solar-Wasserpumpe gebaut, das Waschhaus erhielt einen Innenausbau, auf dem Schulhof wurde eine Toilette errichtet sowie mit Schulhofbegrünung und Jatropha-Anbau begonnen.


                                Bild: Schulgelände mit Schulgebäuden

In Andalamengoke ist – für unsere Partner sehr überraschend – durch Initiative der Schulbehörde inzwischen ein ausgewachsenes Schulzentrum entstanden, bestehend aus

  • das neue Waschhaus, ganz rechts
  • zwei Gebäuden (Fertigbau) mit je zwei Klassenräumen, im Bild Mitte rechts
  • das alte Schulgebäude mit zwei Klassenräumen, ganz links am Bildrand
  • ein unfertiges Gebäude (steht seit 2006 ohne Innenausbau), Bildmitte
  • sowie einem kleinen Wohnhaus für die Direktorin, verdeckt
Da Andalamengoke sehr günstig an der Nationalstraße liegt werden nun auch schon die Schulkinder der Klasse 6 + 7 aus dem Nachbardorf in unsere Schule geschickt, man erspart sich damit dort einen Schulausbau. Nach der 7. Klasse endet die Grundschule und wird mit dem Besuch des College fortgeführt. Noch ist unsicher, ob dazu unsere Schulkinder in die 12 km entfernte Kreisstadt Sakaraha fahren müssen, die  Dorfgemeinschaft hat vorsorglich einen Antrag gestellt, dass in Andalamengoke eine Filialschule des College errichtet wird.

Für die drei bestehenden Schulgebäude sind Schulmöbel repariert bzw. hergestellt worden, so dass jetzt alle Kinder einen Sitz bzw. Schreibplatz haben und keiner mehr auf dem Boden sitzen muss.

Die Schulsituation hat sich in den Jahren seit Errichtung der Schule deutlich verbessert und die Quote der Schulgänger liegt weit über dem Landesdurchschnitt. Aber es besteht kein Grund zur Zufriedenheit, denn die erste Klasse wird von mehr als 30 Kindern besucht, in der siebten Klasse sinkt die Teilnehmerzahl auf unter die Hälfte. Ohne Frage liegen die Gründe hierfür sowohl im Bildungsstand der Familien als auch in der ökonomischen Notwendigkeit, dass zumindest während der Erntezeiten alle Kräfte der Familie benötigt werden. Und besonders die 16 Jungen ab 10. Lebensjahr können schon mit anpacken oder zumindest auf die Tiere aufpassen. Aus diesem Grunde wurde ein Programm entwickelt, welches den Schulbesuch verbessern soll:

  • - Attraktivität der Schule erhöhen (Mittagessen)
  • - den Besuch der weiterführenden Schule interessant machen (Fahrrad)
  • - das Bildungsniveau der Eltern erhöhen (Erwachsenenunterricht)
  • - Einrichtung einer Klasse für (erwachsene) Jugendliche, die den Schuleinstieg verpasst haben und jetzt einen Turboabschluss erzielen wollen, indem die 7 Schuljahre in halber Zeit absolviert werden.

Geplant ist auch weiterhin der Bau einer Schulküche, doch konnte dieses Teilprojekt aus zwei Gründen leider (noch) nicht realisiert werden: In den letzten drei Regenzeiten fiel im Norden reichlich Regen, im Süden unterdurchschnittlich wenig mit der Folge, das der Brunnen kaum Wasser besitzt. Zudem hat die Schulverwaltung uns noch keine Zusage geben wollen, dass die Kosten für die tägl. Schulspeisung von ihr übernommen wird. Im Gegenzug sollten die infrastrukturellen Kosten aus eigenen Mitteln aufgebracht werden. Wir werden auch im nächsten Folgeprojekt dieses wichtige Thema auf unsere Agenda setzen.

Der Brunnenbau wurde mit der Durchführung eines zweiten Gutachtens begonnen, welches notwendig wurde um festzustellen, ob unterhalb des vorhandenen Brunnens Grundwasser gefunden werden kann. Dieses wurde durch Messungen bestätigt und zusätzlich wurde festgestellt, dass ein erhebliches Wasservorkommen sich


                                    Bild: Wasserbehälter für den neuen Brunnen

außerhalb des Dorfes in zwei Kilometer Entfernung befindet. Daraufhin hat die Firma den Auftrag erhalten, dort eine Bohrung anzulegen, einen Wasserbehälter aufzustellen und eine ein km lange Wasserleitung bis zum ersten Brunnen (an der Schule) zu verlegen. Da es ein leichtes Gefälle zur Schule (und von dort weiter zum Dorfbrunnen) ist keine weitere Pumpe erforderlich. Die Wasserrohre sind beschafft und lagern zusammen mit dem Wasserbehälter auf dem Grundstück unseres Partners. Diese Bohrarbeiten haben sich bisher verzögert, da die Bohrmaschine auf Grund der gestiegenen Nachfrage sich im ständigen Einsatz befindet. Für Ende Juni wurde uns zugesagt, wird die Bohrung durchgeführt.


                                 Bild: Der Zahnarzt und Helfer vor dem Waschhaus

In 2008 wurde dieses einfache Waschhaus errichtet und in 2009 zwei Waschräume (Jungen und Mädchen) mit je drei Handwaschbecken und je drei Duschen installiert, jeweils eine in einer Kabine. Es fehlt jetzt noch der Wasseranschluss.


                                              Bild: Schultoilette, Vorderansicht

Auf Grund der stark zunehmenden Schülerzahl zeitweise sind bis zu 200 Schüler auf dem Schulgelände – und der Tatsache, dass die Schülerzahlen noch steigen werden, war es dringend geboten, zwei Toilettenhäuser zu errichten und eine Toilettengrube zu bauen. Da nicht genügend Wasser für eine moderne Wassertoilette und auch nicht für ein Dreikammersystem zur Verfügung steht, musste eine Komposttoilette errichtet werden, also ein Plumpsklo welches sich nur ganz allmählich füllen wird und dann für ein Jahr geschlossen werden soll, damit sich der Rest zersetzen und später als Kompost genutzt werden kann. Wir werden also in aller Ruhe Erfahrung sammeln können bzgl. Nutzungsverhalten, Sauberkeit und Kompostverwendung, vielleicht muss der Zersetzungsprozess in der Grube durch direkte Sonnenbestrahlung unterstützt werden.


                                                Bild: Schultoilette, Rückansicht

Im April d.J. wurde die Toilette durch den Bürgermeister der Kreisstadt Sakaraha der Schule übergeben und in seiner einstündigen Rede betonte er mehrfach, wie wichtig diese Einrichtung für die Schule und überhaupt für die allgemeine Hygiene ist. Nun bleibt abzuwarten, mit welchem Entwicklungstempo sich die Kinder an die neue Kulturtechnik heranwagen und es wird sicher einige Zeit dauern, bis alle davon Gebrauch machen. Für die Jungen wurde an der Rückseite eine Pinkelrinne eingerichtet, auch das ein Novum im Dorfleben. Wir schauen natürlich besonders aufmerksam auf das Problem der Reinhaltung und sind gespannt, ob der Besuch dieser Toilette auch im nächsten Jahr noch „Spaß“ macht.


                                             Bild: Solarlampe im Kulturhaus

Das kleine Schulhaus, welches als erstes Schulgebäude 2004 errichtet und 2007 mit Hilfe von InWent-Geldern modernisiert werden konnte, wird zweifach genutzt: tagsüber als Klassenraum für die Erstklässler, am Abend für die Erwachsenenbildung. Zu unserer Überraschung hat sich unter Führung des ehemaligen Bürgermeisters eine Gruppe Erwachsener für einen Alphabetisierungskurs bei der Schuldirektorin gemeldet. Dieser hat eine Lehrerin begeistern können und seitdem wird an zwei Abenden den Erwachsenen Lese- und Schreibunterricht erteilt. Anfangs mussten die Teilnehmer noch Kerzen und Öllampen mitbringen.


                                               Bild: Schulhaus und Kulturhaus

Um die Beleuchtung zu optimieren und auch Strom für den Anschluss eines Beamers oder eines Notebooks verfügbar zu haben wollen wir die Beleuchtung mit einer Solaranlage ausstatten. Unter dem Dach des kleinen Schulhauses wurden zwei Energiesparlampen montiert, an der Außenwand über der Tür eine sehr effiziente und sehr helle LEDAußenlampe. Beide werden von einer Batterie versorgt, welche tagsüber von einem Solarmodul gespeist wird. Zusätzlich steht ein Wechselrichter zur Verfügung, um den 12V-Solarstrom in 230V Wechselstrom zu transformieren und damit einen Laptop und einen Beamer betreiben zu können.


                                           Bild: 10 Schüler und drei Computer

Herr Rabearisoa hat jetzt ein Notebook zur Verfügung und mit dem vorhandenen Beamer und der Leinwand können die Schulkinder Bilder und Filme von DVD oder aus dem Internet anschauen und mit der Dorfbevölkerung können bei Dorfversammlungen Bilder von z.B. Aufforstungsprojekten, Nutzung von Solartrocknern oder neue Anbaumethoden bei der Feldbestellung gezeigt werden.

Mit diesem Solar-Lehr- und Experimentierbaukasten der Fa. LexSolar werden wir hoffentlich den Physiklehrer zum glücklichsten Physiklehrer im südlichen Madagaskar machen. Damit soll bevorzugt im Schulunterricht die Nutzungs- und Anwendungsmöglichkeiten der Solarenergie demonstriert werden und die Kinder können auf Grund der reichhaltigen Ausstattung auch selbstständig kleine Solarexperimente durchführen. Die ursprüngliche Idee, den Baukasten von einer Schülergruppe des Gymnasiums in Frechen selbst herstellen zu lassen, scheiterte spätestens an der Herstellung einer Benutzungsanleitung, da eine Vielzahl von Experimenten in ihrem Aufbau und Durchführung zu beschreiben und hierzu auch noch die theoretischen Grundlagen zu vermitteln sind; das hat die zeitlichen Ressourcen und die intellektuellen Anforderungen überschritten (vermutlich auch den Übersetzer)


Bild: leXsolar-Experimentierbaukasten Ready-to-go

Für diese Vorhaben erwartet InWent einen Eigenbeitrag von 10% und ich bitte Sie herzlich um Ihre Unterstützung.

Spenden-Vermerk: „Madagaskar“

Bernd Blaschke


KONFERENZ „SOLARENERGIE FÜR AFRIKA“

Nach 2003 war es die zweite Konferenz „Solarenergie für Afrika“ die dieses Mal in der FH Düsseldorf am 3. und 4. September stattfand. Teilgenommen haben rund 100 registrierte Teilnehmer und 50 Personen als Helfer, Referenten und Ehrengästen, die Schirmherrschaft hatte die Botschafterin von Mali, Frau Fatamatou Diakite übernommen. Am Freitag fanden rund 20 Vorträge statt, am Samstag 8 Workshops.

Die Konferenz hatte zwei wesentliche Ziele: Erstens die afrikanische Diaspora in Deutschland über Möglichkeiten der Solarenergie kompetent zu informieren.

Zweitens sollten Nichtregierungsorganisationen in einen Erfahrungsaustausch gelangen zum Thema erneuerbare Energien. Da viele der afrikanischen Teilnehmer (ca. die Hälfte) und auch viele der übrigen in NROs tätig sind, lässt sich sagen, dass diese Ziele erreicht wurden.

Die Teilnehmer hatten sowohl vor- als auch nachmittags sich jeweils für eine von fünf unterschiedlichen Veranstaltungen zu entscheiden. In jeder Veranstaltung gab es zwei Vorträge, so dass insgesamt 20 solche Vorträge angeboten wurden, am Nachmittag noch eine 6. Gruppe mit dem Vortrag von Herrn Froese über Hausbau mit PETFlaschen.

Die Vorträge behandelten schwerpunktmäßig spezielle Erfahrungen mit Solartechnik in Afrika, so etwa solare Beleuchtung in Mosambik und Kamerun (Insellösungen), solares Kochen in Gambia und Madagaskar, solares Licht in verschiedenen afrikanischen Ländern, solare Stromversorgung in Krankenstationen von Äthiopien und solargestützte Trinkwasserversorgung in Mali. Solarprojekte in Burkina Faso wurden vorgestellt und ein Rückkehrer von einem Weltwärts-Projekt in Uganda berichtete sehr authentisch von einem einheimischen Solarprojekt dort und stellte anschaulich dar, welche Möglichkeiten und Hindernisse für solche Projekte in einem afrikanischen Land bestehen. Ein weiteres Thema im Solarbereich war das „solare Trocknen“, das ebenfalls viele Interessenten fand. Der Erfinder des Lazola-Kochers konnte von einer Produktionsverlagerung nach Südafrika berichten. Neben der Solarenergie wurden auch andere erneuerbare Energietechniken gestreift, zum Beispiel das Thema „kleine Windenergieanlagen“, Biogas, zu einem CDM-Projekt unserer Organisation LHL und allgemein zum Thema holzsparende Öfen.

Grundsatzreferate hielten Prof. Schwarzer vom Sozialinstitut Jülich, der auf jahrzehntelange Erfahrungen in Drittweltländern zurückblicken kann und Wolfgang Scheffler, der Erfinder der Scheffler-Spiegel. Auch die Fachhochschule stellte ihre Forschungen vor und war voll integriert.

Nicht direkt über erneuerbare Energien sondern über Hausbau mit PET-Flaschen, die in Drittweltländern allzu oft auf dem Müll landen, dabei aber eine außerordentlich lange Haltbarkeitsdauer besitzen, referierte Andreas Froese, der seit vielen Jahren in Afrika und Lateinamerika solche Bauprojekte realisiert. Am Spätnachmittag kamen die Konferenzteilnehmer noch einmal im Plenum zusammen. Nach dem Grundsatzreferat der Botschafterin und Schirmherrin, Frau Diakite, bei dem sie u.a. an die anwesenden jungen Afrikaner appellierte, ihr Wissen für ihr Heimatland zur Verfügung zu stellen, folgte eine Podiumsdiskussion mit Prof. Alfons Rinschede, FH Gelsenkirchen und Dipl. Ing. Tameru Beshah (Äthiopien) und hier war eines der Themen den Einsatz von Jatropha als erneuerbare Energie, wobei Herr Beshah besonderen Akzent auf die Armutsbekämpfung legte, die Sinn und Zweck aller Maßnahmen sein müsse.

Am Samstag fanden 10 Workshops statt – und zwar in einer sonnigen und entspannten Atmosphäre. Beispielsweise konnten sie mit Arwed Milz eine kleine Solarlampe bauen, mit der man auch Handys aufladen kann – und diese gleich mit nach Hause nehmen. Mit Heike Hoedt wurde ein Modell eines Solartrockners konstruiert, mit Michael Bonke ein einfacher Solarkocher aus Pappe gebaut, der sogar funktionierte, mit Renate Schönberg wurde ein „klassischer“ SK14-Solarkocher zusammengebaut – und bei strahlendem Sonnenschein getestet, mit Andreas Froese wuchsen die ersten Mauern eines PET-Flaschen-Hauses in die Höhe (die Teilnehmer bekamen auf einer benachbarten Baustelle ein paar Schubkarren Sand zum Füllen der Flaschen gestiftet). Das Konzept einer „Solar-Power-Box“, die mehr kann als Beleuchtung liefern, wurde mit dem Berufsschullehrer Hubert Ackermann durchgespielt. Hermann Determeyer, mit mehrjähriger Erfahrung in Ghana, tüftelt an simplen Techniken, welche der afrikanischen Frau das Leben erleichtern sollen, und zeigte den Teilnehmern ganz verblüffende einfache Möglichkeiten, angefangen von einem Warmhaltekorb bis zu einem Parabolkocher. Dieser kann komplett in Afrika gebaut werden, wenn man eine Rolle Blech aus Europa importiert hat.

Der Parabolspiegel dient abends in der Hütte noch als Lampenschirm– hoffentlich bei einer Solarlampe. Marmeladeherstellung mit einem SAVE80-holzsparenden Kocher wurde ebenso vorgeführt wie Saftherstellung und Aufbewahrung in einer BAG-in-Box, mit welcher in Afrika preisgünstig und sauber Säfte konserviert werden können. Die Erfahrungen einer Produktionsverlagerung für den Lazola-Kocher nach Südafrika reichten aus, um einer zahlreichen Zuhörerschaft zu vermitteln, wie verblüffend in Afrika Problemlösungen gefunden werden, auf die man in Europa überhaupt nicht kommt. Und auch das Konzept einer kleinen Windkraftanlage wurde detailliert einer auch hier zahlreichen Zuhörerschaft vermittelt.

Unter den gegebenen Voraussetzungen (kurzfristige Absage von Finanzhilfen) haben wir ein optimales Ergebnis erreicht. Insbesondere ist uns gelungen, die breite Palette an Möglichkeiten erneuerbarer Energien und innovativer Ideen einer größeren Zahl von Afrikanern und weiteren Menschen zu vermitteln, welche in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. Darüber hinaus konnten wir über Studenten der Fachhochschule junge Menschen erreichen, die bisher noch nicht mit dem Thema in Berührung gekommen waren. Der überwiegende Teil der Teilnehmer und Mitwirkenden ist zufrieden wieder nach Hause gefahren, und alle hoffen, dass wir das Thema weiter bearbeiten und in weniger als 7 Jahren eine ähnliche Konferenz folgen lassen.

Heinz Rothenpieler/Bernd Blaschke


BAUSTELLENBERICHT


Unsere Inlandprojekte werden auf unserer Internetseite "Entwicklungspolitische Baustelle" angekündigt - und, unter anderem, auf dem Jugendserver Niedersachsen.

Hier zwei Beispiele vom letzten Sommer:

Ferienverlängerung mit dem Lehrplan

Nein, nicht schon wieder Schule. Oder doch? In Niedersachsen sind die Ferien leider schon rum.

Aber vielleicht nicht ganz: Wenn Euer Bio- oder Geo-Lehrer gerade „Regenwald“ auf dem Lehrplan stehen hat, dann kann er bei Lernen-Helfen-Leben e.V. mit Sitz in Diepholz einen Referenten buchen. Und der wird euch wenigstens für die Schulstunde so ein bisschen in den afrikanischen Regenwald entführen, und euer Lehrer macht gerne mit, weil trotzdem so ganz nebenbei sein Lehrplan auch erledigt wird. Biologie - Geografie mal anders. Globales Lernen und Klimaschutz als Lehrplanthema? LHL-Projekte sind gerade unter Aspekten des Klimaschutzes aktuell. Was vom Regenwald in Nigeria und auf Madagaskar übrig blieb und was im Kongo bedroht ist:

Beispiel Kongo: Regenwaldschutz und Aufforstung

Beispiel Nigeria: Was unterstützt "atmosfair" mit der Klimaabgabe auf Flugreisen?  Holzsparende Öfen von LHL gegen Abholzung!

Beispiel Madagaskar: Erosion im abgeholzten Paradies. Trotzdem: Solarbrunnen, Dorfentwicklung und Aufforstung von LHL

Weitere mögliche Themen:

Einführung in den Kongo - Geografie, Geschichte/ Einführung in das Thema Regenwald allgemein /Bei den Gorillas im Kahuzie-Biega-Nationalpark

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Spezialinfo für alle niedersächsischen Abiturienten:

Afrika spricht (auch) Französisch.

Wer will das Abitur 2011 mit Französisch «bauen»? Insider wissen: Da fehlt noch was, nämlich das: Francophonie Africaine - Le Regard des Africains sur leur continent et sur le monde.

Afrika - Thema des Abiturs 2011. Und Lernen-Helfen-Leben e.V. kann helfen, nämlich mit französischsprachigen Referenten aus Afrika. Die könnt Ihr direkt in Eure Schule einladen.

Voraussetzung: Euer Lehrer muss sein Ok geben und Ihr müsst (vielleicht über den Förderverein) einen kleinen Eigenbeitrag zu den Kosten in Höhe von 50 Euro organisieren. Den Rest finanziert die niedersächsische Bingo-Stiftung. (September 2010)

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Diese Themen werden ebenfalls in NRW angeboten und in 2010 fanden weitere VHSVeranstaltungen in Baden Württemberg, Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Für 2011 sind bisher Französischlehrerfortbildungen geplant in Oldenburg, Hamburg, Rostock, Berlin, Frankfurt, Karlsruhe, Offenburg, Münster, Dortmund, Düsseldorf, Bonn, Bielefeld. Weitere Französisch-Veranstaltungen in Bremen, Leipzig und Duisburg. Und wenn im Frühjahr - wie geplant - unser Botaniker aus dem Ostkongo nach Deutschland kommt, werden die Regenwaldveranstaltungen in den Schulen erfahrungsgemäß nur so "brummen".

Heinz Rothenpieler




SAUBERES WASSER UND HYGIENE

Bericht von einem Besuch des Toilettenseminars in Eschborn und Berlin. Vor einigen Jahren erschien in Deutschland ein Buch mit dem Titel “Aus Scheiße Gold machen“. Konkret ging es um die Nutzung der menschlichen Fäkalien. Unsere Großeltern pflegten noch aus den Jauchegruben die Beete im Garten zu düngen. Bei unseren zentralen Abwassersystemen dürfte es dieses Verfahren kaum noch geben. Es steht aber fest, dass vor allem Urin viel Stickstoff enthält, der als Dünger effektiv einzusetzen ist und nicht zuletzt auch beim Kompostieren hilft. Erfahrungswerte besagen, dass der Urin einer einzigen Person ausreicht, um 300 bis 400 m² im Jahr zu düngen. Und auch der Kot kann genutzt werden. Will man die Fäkalien nutzen, erfordert dies in Afrika unter den dortigen klimatischen Bedingungen ein besonderes System, das System der Trockentoiletten mit getrennter Sammlung von Urin und Kot. Wir von LHL möchten helfen, dass dieses System von unseren afrikanischen Partnern genutzt werden kann, wiederum um sie unabhängig zu machen von teuren synthetischen Düngern.

Insgesamt fünf Mitglieder von LHL haben an zwei Seminaren der GERMAN TOILET ORGANISATION in Eschborn und Berlin teilgenommen. Wir sind sicher, dass einige unserer afrikanischen Partner die Anregungen aufnehmen und so zu einer verbesserten sanitären Versorgung gelangen werden.